Zehntes Kapitel.
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werthen Dingen gehören. Was aber für ihn wünschenswerth ist,das muß er nothwendig auch besitzen — sonst wurde sein Glück nachdieser Seite hin mangelhaft sein. Folglich wird der Mensch, wenner wahrhaft glückselig sein soll, tugendhafte Freunde haben müssen.
Zehntes Kapitel.
Jetzt fragt es sich also: Muß man danach trachten, sich mög-lichst viele Freunde zu machen, oder wird das treffende Dichterwortüber die Gastfreundschaft:
Weder viele, noch keine!')
auch auf die Freundschaft paffen, so, daß es heißt, man darf wederganz sreundlos sein, noch allzu viele Freunde haben?
2. Was die Freunde anbetrifft, die man um des Nutzens willenhat, so kann man wohl sagen, daß jener Spruch ganz auf sie passe.Denn Vielen Dienste leisten, ist ein beschwerlich Ding, ja das ganzeLeben reicht nicht aus, das zu bewerkstelligen. Mehr Freunde also,als zum eigenen Leben hinreichen, sind überflüssige Zugabe und ei»Klotz am Bein, wenn man glücklich leben will, man bedarf ihreralso nicht. Und auch für das Vergnügen reichen wenige hin, wiebei der Speise das Gewürz.
3. Aber in Betreff der tugendhaften Freunde fragt es sich, obman deren der Zahl nach möglichst viele haben müsse, oder ob esfür die Freundemenge 2) ebensowohl ein gewisses Maß gibt, wie für
') Nach Hestvd „Werke und Tage" V. 7IÄ.
2) Der Ausdruck „Freundemenge" cgor/llxör- TiHyAog) ist scherzhaft vonAristoteles gebildet, des Vergleichs wegen mit der „BevölkerungSmcnge" einerStadt. Man vergesse bei diesem Vergleiche übrigens nicht, daß die hellenischenStädte im Vergleich zu den unser» klein waren und klein sein mußten. Vgl.Aristoteles Politik lll, Kap. >, h. >. und Vll, Kap. S—S, sowie unsere Ein-leitung zur Aristotelischen Politik S. >l — >r. Die „zehn Myriaden", d. h.hunderttausend Menschen, sind übrigens nicht als Seelcnzahl schlechthinzu fassen — denn Städte von solcher „Seelcnzahl" der Bevölkerung gab es inGriechenland allerdings, — sondern nur als die Zahl der männlichen freien