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Neuntes Buch.
thätig sind: so kann man auch sagen, wir empfinden, daß wir em-pfinden, und denken, daß wir denken; das heißt, daß wir sind— denn wir sagten oben das Sein als Empfinden oder Denken.Empfinden, daß man lebe, ist aber etwas an sich selbst Angenehmes,- denn das Leben ist von Natur ein Gut, und das Gute als inuns vorhandenes Empfinden ist ein Genuß. Das Leben ist also einwünschenswerthes, und vorzüglich sür die Guten, weil das Dasein fürsie ein Gut und ein Genuß ist, denn indem sie das an sich selbst Gutein sich empfinden, haben sie an dieser Empfindung einen Genuß.
10. Nun verhält sich aber der gute Mensch wie zu sich selbst,eben so auch gegen seinen Freund, — denn der Freund ist ja seinzweites Ich. Sowie also für jeden guten Menschen die eigene Exi-stenz wünschenswerth ist, so, oder nahezu in gleichem Grade, ist essür ihn auch die des Freundes. Nun war ihm aber seine Existenz(sein „Sein") wünschenswerth, weil er sich selbst als guten Menschenempfand — eine Empfindung, welche an und für sich angenehm ist.Er muß also eine Mitempfindung von dem Dasein seines Freundeshaben, und dazu gelangt er ohne Zweifel durch das Zusammenlebenmit ihm und durch den gemeinsamen Austausch von Gedanken undIdeen. Denn in dieser Bedeutung wird der Ausdruck „Zusammen-leben", von Menschen gebraucht, zu fassen sein, und nicht wie beidem Heerdenvieh, wo es „aus demselben Futterplatze weiden" be-deutet '6).
Ist nun also, wie wir sehen, sür den guten, innerlich beglücktenMenschen das eigene Sein etwas an und sür sich Wünschenswerthes,weil es etwas von Natur Gutes und Angenehmes ist, und ist ineinem ähnlichen Grade für ihn auch das Sein des Freundes wün-schenswerth, nun so muß sür ihn auch der Freund zu den wünschens-
Hier, bemerkt Kvrai, ist das cogito ergo «UN, des CartesiuS populärausgesprochen.
w) Der Gedanke an die Gegner der hier von ihm aufgestellten menschlich,edeln Ansicht, an jene Verfechter des Egoismus und der Jsolirung des theureuJchs macht dem Philosophen sichtlich warm, nnd läßt ihn diejenigen, welchevon der wahren Freundschaft und ihrer Nothwendigkeit für die wahrhaft glück-liche menschliche Existenz nichts wissen wollen, mit jenem schlimmen Prädikatebezeichnen, das er ihnen schon früher einmal st, Kap. K, §. Z) ertheilt hat.