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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Neuntes Kapitel.

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einträgt. Er erscheint also mit Fug und Recht als ein trefflicherMann, weil er das sittlich Schöne und Edle vor Allem für sich inAnspruch nimmt. Ja, es ist sogar möglich, zu Gunsten eines Freun-des auf Thaten zu verzichten, und wo es schöner ist, den Freundzu einer That veranlaßt, als sie selbst gethan zu haben.

10. Wir seben also, daß bei allen löblichen Dingen und Hand-lungen der Tugendhafte sich selbst den größeren Antheil des Schönenzutheilt.

Auf diese Art also soll man, wie gesagt, selbstlicbend sein, soaber, wie der große Haufe es ist und meint, darf man eS nicht.

Neuntes Kapitel.

Eine andere Frage, über deren Beantwortung die Ansichten ge-theilt sind, ist die: obder Glückliche" ') Freunde nöthig habeoder nicht.

Denn", sagen die Einen,die Glückseligen und Sichselbst-genügenden bedürfen der Freunde durchaus nicht, sie haben ja schonalle Güter. Als Menschen, die sich selbst genug find, bedürfen siekonsequenterweise nichts weiter, während der Freund, der ja ein an-deres Selbst des Menschen ist, ihm dasjenige verschafft, was erselbst sich zu verschaffen nicht im Stande ist. Daher sagt den» auchder Dichter :

,.Wer braucht denn Freunde, wenn das Schicksal hold ihm ist?

Derjenige, welchem das Prädikatglückselig" zukommt. Man vergl. daserste Buch, besonders l, Kap. lll.

2j Wieoer der Liedlingsdichter des Philosophen, Suripide«, in dessen Tra-gödie Orestes eS B. SL7 ff. hcrßr:

Im Unglück muß ,

Der Freund dem Freunde seine lyäeige Hülfe wechn,

Denn wer braucht Freunde, wenn das Schicksal hold ihm ist?

Womit ein anderer Ausspruch desselben Dichters in seinemRasenden Herkules"lB. >Z4l> übereinstimmt:

Sind uns die Götter gnädig, braucht man Freunde nicht!

Denn Gottes HaNd ist stark genug, wenn er nur wist.