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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Neuntes Buch.

Also Resultat: der gute Mensch mußselbstliebend"sein denn so wird er selbst, indem er das sittlich Schone undGute thut, für sein Selbst den Vortheil davon haben und zugleichdas Wohl der Andern befördern. Der schlechte Mensch dahingegendarf es nicht, denn er wird sowohl sich selbst als seinen Nächstenschaden, weil er schlechten Leidenschaften folgt.

8. Bei dem schlechten Menschen also steht das, was er thunsollte, mit dem, was er thut, in Widerspruch, während der Tugend-hafte das, was er thun soll, auch wirklich thut. Denn Alles, wasVernunft ist, wählt immer das Beste, der Tugendhafte aber gehor-samt der Vernunft.

9. Dennoch bleibt es dabei wahr, daß der brave Mann Vielesfür seine Freunde und für sein Vaterland thut, ja, wenn es seinmuß, dafür zu sterben bereit ist. Denn er wird Hab und Gut, undEhrenstellen, und überhaupt alle die Güter, um deren Besitz dieMenschen kämpfen und ringen, hingeben in dem Streben, seinemSelbst den Besitz des Schonen und Guten zu sichern. Denn er wirdes sicher vorziehen, eine kurze, aber starke freudige Empfindung, alseine langdauernde, aber schwache zu genießen, ein einziges Jahr schönund groß, als viele Jahre gemeiner Alltäglichkeit zu erleben, eineeinzige schöne und erhabene That, als viele unbedeutende zu voll-bringen. So, meine ich, denken auch die, welche ihr Leben (für einenedlen Zweck) hingeben; sie erwählen mithin etwas, was ein erhabe-nes Schöne für sie selbst ist. Auch Gut und Geld hinzugeben, wennsie dadurch ihren Freunden in Zukunft einen größeren Vortheilschaffen können, sind solche Menschen gern bereit, denn bei solchemThun ihrerseits fällt dem Freunde zwar der Vortheil, dem Andernaber die Ehre zu. Wer so handelt, eignet mithin sich selbst dasgrößere Gut zu. Mit Ehren und Staatsämtern hat es dieselbe Be-wandtniß, denn auch hier wird der Tugendhafte Alles zu Gunstenseines Freundes ausgeben, weil das edel handeln heißt und ihm Lob

7) D. h.Egoist" teigeuliebig) in diesem höchsten und edelsten Sinne.Aristoteles zeigt in den folgenden Paragraphen, daß dieser edle Egoismus, dieseerhabene Selbstsucht des tugendhaften Mannes sich auch in seinen edelsten Hand-lungen bethätige.