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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Siebente« Kapitel.

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aber bloß durch Thätigkeit, d. h. indem wir leben und handeln.Nun ist es aber eben die Thätigkeit, welche dem, der ein Werk schafft,gewissermaßen das Gefühl des Seins und Lebens gibt. Mithin liebtund schätzt ein solcher sein Werk, eben weil er auch das Sein liebtund hochschätzt. Das ist ein Naturgesetz. D en n w as ein W e sender Möglichkeit nach (an sich) ist, das gibt erst das vonihm hervorgebrachte Werk als wirklich zu erkennen.

5. Dazu kommt noch ein anderer Umstand. Für den Wohl-thäter nämlich ist sein Handeln ein schönes, er hat daher auch seineFreude an dem Gegenstände, welcher das Gefäß dieses Schönen ist.Für den Empfänger der Wohlthat dagegen resultirt nichts von demSchönen, das in dem Geber ist, sondern höchstens nur etwas Nütz-liches. Dieß ist aber in minderem Grade angenehm und anziehend ^).

6. Wer eine gute Handlung thut, hat ferner ein angenehmes Ge-fühl dabei durch die Thätigkeit im Augenblicke des Vollbringens, erhat ein solches auch schon vor dem Vollbringen durch die Aussichtauf dasselbe und, nachdem sie geschehen ist, in der Erinnerung daran.Das angenehmste Gefühl aber ist das, welches die Thätigkeit selbstbegleitet, und dies ist daher auch in gleicher Weise das liebste. Also:wer eine Wohlthat gethan hat, für den ist sein Werk ein bleibendes

denndas Schöne ist dauernd" sgr den Empfänger dahin-gegen ist das empfangene Nützliche etwas vorübergehendes. Undwährend die Erinnerung an das Schöne immer angenehm ist, ist esdie Erinnerung an das Nützliche durchaus nicht, oder doch in an-derem Grade; während es sich mit der Erwartung freilich umgekehrtzu verhalten scheint.

Dazu kommt ferner noch, daß das Lieben als thätiges Thun,das Geliebtwerden dagegen als ein Leiden erscheint. Diejenigen

5) Der au« tiefster Kenntniß der Menscheimatur stammende Spruch, daßGeben seliger als Nehmen", wird von Aristoteles in seinen letzten Gründenebenso schon, als tief und treffend entwickelt. Der Geber hat in dem Gegen-stände, dem er wohlthut, ein sprechendes Zeugniß seiner sittlich guten undschonen That; auf ihn fällt alles Gute und Edle derselben zurück, dem Andernbleibt nur das Nützliche.

6) Vielleicht ein sprichwörtlich gewordenes Dichterwort. S. ^lidtotelinTh. II, S. 220.

Aristoteles' Ethik. LL