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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Neuntes Buch.

also, auf deren Seite sich vorzugsweise das Handeln befindet, sinddamit auch folgerichtig in dem Falle, daß das Lieben und das Be-weisen der Liebe vorzugsweise von ihnen ausgeht.

7. Und endlich: Jedermann liebt das am stärksten,was ihm am meisten Mühe gekostet hat, wie denn auchz. B. diejenigen ihr Geld mehr lieben, die es erwerben, als die,welche eS ererbt haben ?). Nun gibt aber wohl Jeder zu, daß Sich-wohlthuulaffen keine Mühe und Arbeit kostet, Wohlthun dagegenschwer und mühsam ist. Deshalb sind denn auch die Mütterkin-derliebender" als die Vaters; denn das Gebären kostet mehr Müheund Beschwerden (als das Zeugen); und dazu sind die Mütter ge-wisser, daß die Kinder ihre eigenen sind. Der erstere Umstand dürsteauch auf die Wohlthäter paffen.

Achtes Kapitel.

Es wird ferner auch die Frage aufgeworfen: ob man sich selbstam meisten lieben müsse, oder einen Andern? ')

Die Meinung der Menschen scheint sich für das Letztere zu ent-scheiden, denn man tadelt die, welche sich selbst am meisten lieben,und benennt sie mit dem SchimpfnamenEigenliebige", sowie esauch als ausgemacht gilt, daß gerade der schlechte Mensch Alles nurum seinetwillen thut, und zwar, je nichtswürdiger er ist, um so mehr.So ist es denn auch ein gewöhnlicher Vorwurf gegen einen solchenMenschen, daß man von ihm die Redensart braucht:er thut nichtdas Geringste, wobei nicht sein Interesse im Spiel ist". Der Recht-schaffene dagegen, sagt man, sieht bei Allem, was er thut, auf das

7> Vgl. oben IV, Kap. I, §. ra. Plato», Staat I, Kap. 4 , p. 330. b.TacituS, Dialog Kav. 3, und dort die Note von Eckstein.

b) Schon mehrmals bemerkt. S. oben VIII, Kap. 8, §.3; Kap. >2,§. 2 ; IX, Kap. 4, §. I. Der Ausdruck ,.kinderllebend" zeigt hin auf denLieblingsdichter des Aristoteles, auf EuripideS, der in seiner TragödiediePhönikerinnen" sagt <V. 338):

Mit Müh und Schmerz gebiert das Weib das Kind zur Welt,

Drum liebt die Kinder so das weibliche Geschlecht!