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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Neunte« Buch.

2. Meiner Ansicht nach dürfte indeß die Ursache jener obenerwähnten Erscheinung doch wohl noch tiefer in der Natur der Dingeliegen und keineswegs dem Verhältnisse zwischen Gläubigern undSchuldnern entsprechen; denn zwischen diesen letztem findet über-haupt gar kein Verhältniß der Liebe statt, sondern nur auf der Seitedes Gläubigers der Wunsch, den Andern erhalten zu sehen, damiter sein Geld von ihm wiederbekomme. Leute dagegen, welche Andernwohlgethan haben, empfinden Liebe und Zuneigung für die, denensie Gutes erwiesen haben, auch wenn diese ihnen in keiner Hinsichtvon Nutzen sind, noch in Zukunst nützlich werden dürften. 3. Das-selbe trifft auch bei den Künstlern zu, wo auch ein Jeder sein eigenesWerk mehr liebt, als er von seinem Werke, wenn es Seele erhielte,geliebt werden dürste ^). Nirgends aber trifft das wohl in solchemGrade zu, wie bei den Poeten; denn diese haben eine übermäßigeLiebe für ihre Poesien, und hegen und pflegen sie wie ihre Kinder^).

L. Einer solchen Zuneigung nun gleicht auch die der Wohl-thäter. Der Gegenstand ihres Wohlthuns ist nämlich gleichsam ihrWerk, das sie also natürlich in höherem Grade lieben, als das Werkseinen Schöpfer. Und hiervon liegt die Ursache wieder darin, daßdas Sein allen Menschen wünschenswerth und lieb ist. Wir sind

kurzen Gedächtnisse der meisten Menschen mehrmals zurück. Vgl Vlll, Kap. >3,§. 8, und er hatte seine Ursache dazu. Man sehe meine Lrlstotelia Th. I,S. >8 i. und Th. II, S- rav.

D Vgl. oben IV, Kap. l, §. 20.

'p Vgl. Cicero'« TuSkulanen V, 22, SZ. Plato, Staat I, p. 330. c.In demselben Sinne räth Don Quixote einem jungen Dichter, sich bei sei,neu Poesien mehr auf da« Urtheil Anderer, al« auf sein eigene« zu verlassen...Denn lfährt er fort) Väter und Mütter finden ihre Kinder uiehäßlich, und bei den Sprösslingen de« Geistes findet diese Ver-blendung im höchsten Grade statt!" Warum aber werden grade dieDichter pur andern schaffenden Künstlern hier bei Aristoteles genannt? DieseFrage beantwortet der freisinnige Florentiner Donatus Acciaioliu« <Coni-mentar. p. 780) solgenderinassen:Die bildenden Künstler haben e« mit Stoffenzu thun, die ihnen selbst äußerlich sind, nnd denen sie eben nur Form geben.Ihr Werk ist daher nicht ganz ^ihr eigene« Selbst. Die Dichter dagegennehmen ihren Stoff au« sich selbst, und sind im vollen Sinne de« Worte«Schöpfer tpoetae).