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Neuntes Buch.
das Volk, als auch die besseren Klassen wollen, daß die Besten ander Spitze stehen. Denn so wird Jedem, was er wünscht und ver-langt 3).
Wir sehen, die Sinneseinigkeit ist politische Freundschaft,wie denn auch die Sprache sich ausdrückt, denn sie bezieht sich aufdie Interessen und auf die Erfordernisse des Lebens.
3. Vorhanden aber ist eine solche Uebereinstimmung nur beiden Guten und Rechtschaffenen, denn diese sind sowohl mit sich selbstals untereinander in Uebereinstimmung, da sie, so zu sagen, immerbei und mit denselben Dingen beschäftigt sind. Denn solcher LeuteWtllensmeinungen sind bleibender Natur und schwanken nicht aufund ab, wie die Fluth im Euripos ^), sondern ihr Wille geht ausdas Gerechte und Nützliche, und dies sind denn auch die Ziele, nachdenen sie gemeinsam streben.
4. Die schlechten Menschen dagegen können unmöglich einigsein, es sei denn auf kurze Zeit — wie sie denn auch nur auf kurzeZeit Freunde zu sein im Stande sind — da sie, wo Nutzen zu habenist, immer Jeder nach dem größeren Antheile trachten, während sievon den erforderlichen Beschwerden und Leistungen immer nur denkleinsten Theil über sich nehmen mögen. Denn da Jeder für sich dasbegehrt, was der Andere, so rechnet er fortwährend seinem Nächstennach und behindert ihn; denn wenn sie nicht auf der Lauer sind, so
>') Die heitere Laune, die in dieser ganzen Auseinandersetzung herricht,(welche sich zum Theil auf dem Gebiete der sprachlichen Synonymik bewegt undsehr wahrscheinlich polemische Spitzen gegen unrichtige AnSdrnckSweisen gleich!zeitiger Philosophen enthält, von denen wir freilich nichts Näheres mehr wistsc») — ist nicht zu verkennen. Der alte Eamerariu« führt in seinem Commemtar als Beispiel die Anekdote von einem befreundeten Ehemanne an (den er,wie er sagt, aus Respekt nicht nennen wolle), der von sich und seiner Frauzu sagen pflegte: sie wäre» beide viele Jahre lang eines Sinnes gewesen; jedesvon beiden nämlich habe Herr sein wollen!bz S. VIII, Kap. 4, §. 5.
b) Sprichwörtliche Redensart von der Unbeständigkeit. Euripos ist derName des Sundes zwischen Böotic» und der Insel Euböa, der jetzt Meerengevon Negroponte heißt. Die Alte» glaubten, daß die Strömung in diesem Canalsiebenmal des Tages und siebenmal des Nachts wechsle.