Fünftes Kapitel.
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Fünftes Kapitel.
Das Wohlwollen hat zwar Ähnlichkeit mit der freund-schaftlichen Gesinnung, ist aber doch noch keineswegs Freundschaft.Wohlwollen nämlich ist auch möglich gegen Menschen, die wir nichtkennen, und unser Empfinden kann dabei dem Andern unbekanntsein, Freundschaft aber nicht. Doch das habe ich schon frühergesagt '). Aber es ist auch nicht zärtliche Zuneigung (Liebe); dennes schließt weder eine Spannung des Gemüths, noch ein lebhaftesVerlangen in sich, welche beide doch stets mit der zärtlichen Zunei-gung verbunden sind.
2. Die Zuneigung erfordert ferner immer längeren vertrautenVerkehr, während dagegen das Wohlwollen auch die Frucht desAugenblicks sein kann, wie das ja z. B. uns auch bei Wettkämpfernbegegnet, für die man sich wohlwollend interesflrt, ohne daß manihnen doch irgendwie mit thätiger Theilnahme beistehen möchte;denn, wie ich sagte, hier ist unser Wohlwollen ein momentanes undunsere Zuneigung eine ganz oberflächliche.
3. Es scheint also das Wohlwollen der Anfang der Freund-schaft zu sein, wie in der Liebe die Augenlust den Anfang bildet.Denn kein Mensch liebt, ohne daß ihm vorher der Anblick des Ge-genstandes Vergnügen gemacht hätte ^). Darum kann man aber nochnicht sagen, daß Freude an der erscheinenden Form und Gestalt desGegenstandes schon Liebe sei, sondern diese ist erst dann vorhanden,wenn man bei der Abwesenheit desselben Sehnsucht und nach seiner
'> S. oben VIII, Kap. 2, §. 4.
2) Nämlich in den öffentliche» Wettspielen, bei Ringern, Faustkämpfern,Wcttläufern u. s. f-
ä) Wie die Liebe mit aus der Lust am Anblick des geliebte» Gegen-standes, so entsteht die Freu n dscha ft aus dem.Wohlwollen, lieber das Entstehender Liebe s. oben VIII, Kap. 4, §. I. und in unserem Buche den Anfang deszwölften Kapitel«. „Die Augen sind Führer und Leiter der Liebe", sagt Ovi d.ES ist ein Platonischer Satz, den wir im CratyluS (x. 420. b.> u- im Phä-druS (p. 25V. o.) ausgesprochen finden. S. Stahr, Lrlstotelia II, S. ll>8.