Viertes Kapitel.
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Soviel kann man indessen annehmen, daß von einer solchen Freund-schaft des Menschen gegen sich selbst insofern geredet werden kann,als nach dem früher Gesagten das Ich aus zwei oder mehrerenTbeilen besteht, und auch aus dem Grunde, weil man den höchstenGrad der Freundschaft im populären Sprachgebrauchs mit der Liebevergleicht, die Einer für sich selbst empfindet
7. Die vorher aufgesührten Gesinnungen finden wir selbst beider großen Masse der Menschen, obschon diese Masse geringerer Artist. Natürlich haben sie an denselben nur insofern Antheil, als siesich selbst gefallen und sich für tüchtige und gute Menschen halten.Denn was die ganz schlechten und schuftigen betrifft, so finden wirjene Gesinnungen bei keinem einzigen derselben, ja nicht einmal denSchein davon. Ja auch den geringen Menschen kann man sie eigent-lich nicht zuschreiben, denn dieselben sind nicht eins mit sich selbst,begehren dies und wollen das ">), wie dies z. B. bet den Un-enthaltsamen >') der Fall ist, denn sie erwählen oft statt desjenigen,was ihnen selbst als gut und recht erscheint, das Angenehme, dasihnen schädlich ist. Die gewöhnlichen Menschen hinwiederum stehenaus Feigheit und Faulheit ab von der Ausübung dessen, von demsie doch die Ansicht haben, daß es ihnen höchst zuträglich sei. Men-schen endlich, welche viele und große Verbrechen aus sich geladenhaben und wegen ihrer Lasterhaftigkeit allgemein gehaßt werdenfliehen sogar das Leben und bringen sich selbst um.
8. So suchen denn auch die Schlechten immer mit Andern zuverkehren, nur dem Umgänge mit sich selbst suchen sie zu ent-fliehen. Denn wenn sie mit sich allein sind, da erinnern sie sich an
0> S. I, Kap. 13; vgl. IN. INor-ll. II, Kap. II. I>. I2II L. IS—38.Luä. VII, Kap. s. p. ,240. -l. 8 ff. — I>. 20.
2) Der griechische Ausdruck von der innigsten Freundschaft lautete alsowie bei uns: „ich liebe ihn wie mich selbst".
IO) Ihre sinnliche Begierde strebt nach etwas Anderem, als das ist, wassie als vernünftige Wesen wvllen.
") S. oben VII, Kap. I, §. S.
12) Ich lese mit Frihsche: cke« rij»» lieber
den Gedanken selbst s. meine Lrlstoteli» I, S. IS3. und unten IX, Kap. g,§. 8 .