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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
Entstehung
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Viertes Kapitel.

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den, scheinen aus demjenigen, was wir gegen uns selbst zu beobach-ten haben, bervorgegangen zu sein.

Man definirt nämlich den Begriff Freund entweder so: Freundist der, der für einen Andern das wirkliche oder scheinbare Gute willund thut um des Andern selbst willen; oder: der die Existenz unddas Leben des Andern um dessen selbst willen wünscht. Dies letztereist die Empfindung der Mütter gegen ihre Kinder i), und des Freun-des gegen den Freund, selbst dann, wenn leichte Mißhelligkeiten un-ter ihnen obwalten. Andere endlich sagen: Freund ist, wer unserganzes Leben und unsere Wünsche und Ansichten mit uns theilt, oderwer an allen Schmerzen und Freuden des Freundes Thcil nimmtwas gleichfalls vorzugsweise bei den Müttern gegen ihre Kinder derFall ist. Nach einer von diesen Bestimmungen dessen, was man un-ter einemFreunde" versteht, pflegt man nun auch die Freundschaftzu definiren.

2. Jede dieser Bestimmungen findet nun aber auch bei dem tu-gendhaften Manne gegen sich selbst, und bei den Andern, insoweitsie sich selbst als solche ansehen, statt. Denn, wie bereits bemerktworden 2), das Maß für Jedes und Jeden ist die Tugend und derTugendhafte. 3. Denn er ist mit sich selbst in Uebereinstimmungund begehrt mit allen Kräften der Seele ein und dieselben Dinge ;er wünscht sich mithin offenbar auch alles wirkliche oder ihm alssolches erscheinende Gute, und sucht es sich thätig zu verschaffen.Denn es ist dem Guten eigen, aus allen Kräften das Gute zu er-wirken, und zwar um seiner selbst willen, denn er thut es um seinesdenkenden Theils willen, welcher das eigentliche Ich eines Jedenist 4). So wünscht er also auch, daß er selbst, und namentlich derdenkende Theil in ihm, lebe und wohl erhalten bleibe; denn für

-1 S. oben VIII, Kap. 8, §. 3.

2) Und zwar mehrmals. S. I, Kap. 8, §. IZ; ll, Kap. K, h. 15; III,Kap. 4, §. rs. Wiederholt X, Kap. 5, §. UI.

6) lieber deren Verschiedenheit hat Aristoteles oben I, Kap. IZ, §. IS ff.gehandelt.

4) S. unten X, Kap. tz. S; vgl. IX, Kap. 8, §. 6. und Kap- 9, §. 7.Ein Platonischer Gedanke (Alcibiad. I. p. >30 ck.>, den Cicero cko NexublienIV, 24, 26. wiederholt.