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Neuntes Buch.
schäften waren es ja, was Einer an dem Andern liebte, fallen alsodieselben weg, so hört mit gutem Grunde auch die Liebe auf. ')Wohl aber kann man einen tadelnden Vorwurf in dem Falle erheben,wenn Jemand, der einen Andern bloß des Nutzens oder des Ver-gnügens wegen liebte, die Maske vornähme, als liebe er ihn um seinessittlichen Charakters willen. Denn wie ich gleich Anfangs 2) be-merkte, die meisten Mißhelligkeiten zwischen Freunden treten dannein, wenn sic nicht in Wirklichkeit auf dieselbe Art Freunde sind, alssie es zu sein meinen.
2. Wenn sich nun also Einer selbst getäuscht und angenommenhat, daß er um seines sittlichen Charakters willen geliebt werde, wäh-rend doch der Andere nichts dergleichen that, was Jenen zu solcherAnnahme berechtigte, so mag er sich selbst die Schuld geben. Istman aber durch des Andern Vorstellung betrogen worden, so hatman ein Recht, den , der uns betrogen, anzuklagen, und zwar in nochhöherem Grade, als man ein Recht gegen die hat, welche das Geldfälschen, 3) weil die betrügerische Handlung hier ein höheres Objektbetrifft.
3. Wenn aber Jemand einen Andern sich zum Freunde genom-men bat, weil er ihn für einen tugendhaften Mann hielt, derselbeaber in der Folge ein schlechter Mensch wird, und dem Freunde alssolcher erscheint, muß er ihn dann auch noch weiter lieben? Oder istdas nicht vielmehr unmöglich, wenn anders der Satz richtig ist, daßnicht Alles und Jedes liebenswürdig ist, sondern nur das Gute?
^ Fast wörtlich wiederholt diesen Satz der Verfasser der Rhetorik anÄerennius IV, !7, 24.
2) D. h. zu Anfänge dieser Abhandlung von der Freundschaft. S. VIII..Kap. Z, §. 3 ! Kap. 4, h. i. u. IX, Kap. >. h. 4.
2) Wie streng das Alterthnm die Falschmünzerei beurtheilte, beweist dieserVergleich mit der schändlichsten aller Betrügereien, dem Betrüge in der Freund-schaft. In dem Handelsstaate Athen stand Todesstrafe auf Falschmünzerei.Besonders waren cs in Hellas die Tyrannen, welche solche „Kipper- und Wip-perei" trieben, z. B. DionysioS der Aeltere, Hippias und PolykrateS. (Vergl.Böckh, StaarShauShaltung der Athener II, IZ4—136; Wachsmuth II. 1.S. 75 u. 144). Dieselbe Vergleichung der falschen Freundschaft mit der Falsch-münzerei findet sich bei Theogniö lV. 117 eci Vairrk.) und bei Plutarch,von der „Vielfreundschaft" (Th. V, p. 354).