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Achter Buch.
nämlich von einem, der nicht dein wahrer Freund war, und nichtuneigennützig handelte, und gleiche deshalb deine Verbindlichkeit soaus, als wäre dir der Dienst mit der bestimmt ausgesprochenen Be-dingung solcher Ausgleichung erzeigt worden. Auch pflegt man jaals Empfänger in solchen Fällen wohl bekannt zu haben, daß mansich revangiren werde, wenn man es vermöge, — denn natür-lich von einem, der dazu völlig außer Stande ist, dürste es ja selbstder Geber nicht verlangen. Also Resultat: wenn man dazu imStande ist, so muß man die empfangene Leistung erwidern. Vonvorn herein aber hat man wohl zuzusehen, von wem und unterwelcher Bedingung man eine Gutthat annimmt, damit man sichunter solchen Umständen entweder dazu bequeme oder nicht.
10. Eine schwierige Frage ist ferner die, ob der Werth derWohlthat nach dem Nutzen, den der Empfänger davon hat, bemessenwerden und diesem gemäß die Wiedervergeltung geschehen müsse,oder nach dem, was sie den Wohlthäter kostet. Gewöhnlich behaup-ten nämlich die, welche Wohlthatcn empfangen haben, sie hätten vonden Wohlthatcnerweiscnden Dinge empfangen, die für diese Kleinig-keiten gewesen wären, und die sie ebensogut auch von Andern hättenbekommen können, mit einem Worte: sie verkleinern den Werth desEmpfangenen; die Andern dagegen behaupten umgekehrt: jene hät-ten von ihnen das Höchste erhalten, was in ihren Kräften gestanden,Dinge, die von Andern nicht zu erhalten gewesen wären, und inGefahren und gefährlichen Bedrängnissen.
11. Ich meine nun: hier ist doch wohl, da das Freundschasts-verhältniß, von dem wir reden, aus den Nutzen basirt, der Vortheildes Empfängers das richtige Maß! Denn dieser ist der bedürfendeTheil, und der Andere hilft seinem Bedürfnisse in der Meinung ab,das Gleiche in Zukunft wieder zu empfangen. Die Größe der Hülfs-leistung ist also gleich dem Vortheile, den der Andere davon gehabthat, und dieser muß somit offenbar eben so viel wieder leisten, als erdurch die Wohlthat des Andern gewann, oder auch noch mehr, denndies letztere ist anständiger
So lehrt schon der alte Dichter HesiodoS in seinen „HauSlehren" (Werkeund Tage Z4S ff.):