Zwölftes Kapitel.
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ferner, je nachdem ihr Ahnherr ihnen noch nahe oder schon ferngerückt ist.
5. Die Freundschaft, welche Kinder gegen ihre Eltern, und dieLiebe, welche Menschen gegen Götter empfinden, hat zum Objekteein Gut, und zwar ein überschwenglich überragendes. Denn dieEltern haben ihnen die höchst möglichen Wohlthatcn erwiesen, findUrheber ihres Daseins, haben für ihre Auserziehung und später fürihre Bildung und ihren Unterricht gesorgt.
6. Diese aus Blutsverwandtschaft beruhende Freundschaft hatnun ferner auch das Angenehme und das Nützliche in höherem Gradein sich als die Freundschaft blutfrcmder Personen, weil eben auchdas Leben von Blutsverwandten sich in engerer Gemeinsamkeit be-wegt. Auch findet sich in der brüderlichen Freundschaft genau alles,was in der kameradschaftlich-geselligen enthalten ist, und in nochhöherem Grade, wenn die Brüder gute und rechtschaffene Menschenund wenn sie überhaupt einander ähnlich sind; denn sie gehören engerzu einander, ihre gegenseitige Liebe datirt von ihrer Geburt an, undsie sind, als von denselben Eltern Erzeugte, gleicher an Sitten undCharakter, und haben gleiche Erziehung und Bildung genossen, undendlich ist diejenige gegenseitige Prüfung, welche durch die Längeder Zeit geschieht, bei ihnen die vollständigste und sicherste. — Ana-log mit der brüderlichen verhält es sich auch mit den Beziehungender Freundschaft unter den andern Verwandten.
7. Mann und Frau und Frau und Mann halten Freundschaftnach einem Grundgesetze der Natur *>). Denn der Mensch ist einWesen, das von der Natur noch mehr auf die eheliche Vereinigunghingewiesen ist, als aus die politische, weil die Familie ein Früheresund Notwendigeres ist, als der Staat, und weil der Trieb, Kinderzu erzeugen, allen lebenden Geschöpfen gemeinsamer ist, als sonstirgend etwas. Der Unterschied ist hier nur der, daß bei allen an-dern lebenden Wesen die Vereinigung nicht weiter geht, als bis zumZeugen, die Menschen dagegen paaren sich nicht bloß der Kinder-
ei Vgl, Politik I, Kap. r, §. I—L; Poetik Kap. IL.Aristoteles' Ethik.
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