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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
Entstehung
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Achtes Kapitel.

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sündigen, noch es ihren Freunden gestatten. Die Lasterhaften da-gegen haben keine Beständigkeit in ihren Frcundschaftsvcrbindungen,denn sie bleiben ja auch mit sich selbst nicht dauernd in Ueberein-stimmung; für eine kurze Zeit aber werden sie allerdings zuweilenFreunde, weil das gemeinsame Wohlgefallen an ihrer gegenseitigenSchlechtigkeit sie verbindet. 6. Länger dauern die Freundschaftenderer, bei denen der Nutzen oder das Angenehme das Bindemittelist, nämlich so lange, als sie sich gegenseitig Vergnügen oder Hülfs-leistungcn zu gewähren vermögen.

Unter Entgegengesetzten scheint vorzugsweise diejenige Freund-schaft statt zu haben, welche auf dem Nutzen bafirt, so z.B. kann derArme dem Reichen, der Unwissende Vem Gelehrten Freund sein, dennwas Einer nöthig hat, danach verlangt er und gibt dafür Anderesals Gegengabe. In diese Kategorie kann man den Liebhaber undden Gegenstand seiner Liebe, den Schönen und Häßlichen setzen.Daher erscheinen denn auch die Liebhaber zuweilen lächerlich, wennsie verlangen, ähnlich leidenschaftlich geliebt zu werden, als sie lieben.Wären sie freilich ähnlich liebenswürdig, dann könnten sie eSmeinetwegen verlangen, haben sie aber keine ähnlich liebenswürdigenEigenschaften, so ist ihre Prätention lächerlich.

7. Vielleicht indessen ist der Satz, daß von zwei Entgegen-gesetzten das Eine nach dem Andern begehrt, nicht an und für sich,sondern nur zufällig wahr. Das Begehren aber geht nach demMittlern, denn dies ist gut, d. h. zum Beispiel: für das Trockene istes gut, nicht etwa, daß es ein Flüssiges werde, sondern zu dem mitt-leren Zustande zu gelangen, und ebenso für das Heiße und so fort.Doch lassen wir diese Dinge bei Seite, denn sie sind unserem Gegen-stände eigentlich fremd.

Gor oft ein schädlich Gut, wenn sie den WillenDeS Fordernden mehr, olö sein Glück, bedenkt"