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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Achtes Buch.

Das Gelicbtwerden dagegen macht an sich dem Menschen Ver-gnügen. Darum kann man wohl sagen, daß es besser ist. als dasGcehrtwerden, und daß die Freundschaft an sich und ihrer selbstwillen wünschenswerth ist ^).

3. Auch scheint die Freundschaft wesentlich mehr in dem Lieben,als in dem Geliebtwerden zu bestehen. Das, kann man an den Müt-tern sehen, deren Freude allein in dem Lieben besteht; denn mancheMütter übergeben ihre Kinder andern zum Aufnähren, und im Be-wußtsein, daß sie sie trotzdem lieben, verlangen sie nicht nach ihrerGegenliebe, wenn beides zusammen nicht möglich ist, sondern esscheint ihnen zu genügen, wenn sie sehen, daß dieselben sich wohlbefinden, und sie lieben ihrerseits dieselben auch dann, wenn jeneaus Unwissenheit der Mutter nichts von dem, was sich gebührt,erweisen.

Kap- 4. Wenn also das Wesen der Freundschaft wesentlich mehr in

Be», der Liebe besteht, und wenn es ein Lob ist, seine Freunde zu lieben,so scheint das Lieben die eigentliche Tugend zu sein. Folglich: wodiese Liebe im Verhältniß mit der Würdigkeit der betreffenden Per-sonen vorhanden ist, da sind die Menschen dauernde Freunde undihre Freundschaft ist es ebenfalls. - 5. Auf diese Weise dürftenauch wohl die Ungleichen vorzugsweise Freunde sein können, dennso können sie sich gegenseitig ausgleichen^). Gleichheit und Aehn-lichkeit aber ist Freundschaft, und zwar insbesondere die Aehnlichkeit,welche aus verwandter Tugend beruht, denn da die Tugendhaften ansich und ihrem Grundsätze nach beständig sind, so sind sie auch gegeneinander beständig, sie haben ferner nie die Dienste Anderer zuSchlechtigkeiten nöthig, und leisten solche ebensowenig Andern, jaman kann sagen, sie verhindern vielmehr alle dergleichen Handlun-gen^). Denn den Tugendhaften ist cs eigen, daß sie weder selbst

2> Ebenso Rhetorik I, Kap. s, §. 12 .

S) Nämlich wenn Jeder den Andern nach dem Maste mehr oder wenigerliebt, als er es durch mehr oder weniger Vorzüge verdient. Garvc.Goethe im Tasso:

Die wahre Freundschaft zeigt sich im VersagenZur rechten Zeit; und es gewährt die Liebe