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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Erstes Kapitel.

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diesen Trieb allen gemeinsam lebenden Thicren gegen einander ge-geben, und vorzugsweise den Menschen, daher denn auch schon derName Menschenfreund ein Lob ist. Auch kann man bei Gelegenheitvon Jrrsalen in der Freude gar wohl sehen, wie nah verwandt derMensch dem Menschen ist, und wie lieb.

4. Freundschaft scheint ferner das Band zu sein, welches dieStaaten zusammenhält 6), wie denn auch die Gesetzgeber mehr aufsie, als auf die Gerechtigkeit ihr Augenmerk richten?). Denn dieEintracht (der Bürger unter einander) ist eine Art von Freundschaft,und diese Eintracht vor allen Dingen ist es, welche sie zu bewirkenstreben, während sie die Zwietracht, die da Feindschaft ist, zu ver-bannen suchen. Auch bedarf es ja in der That, wenn die BürgerFreunde sind, der Gerechtigkeit nicht, Menschen aber, welche gegeneinander gerecht sind, haben doch außerdem noch Freundschaft nöthig,und die höckiste Gerechtigkeit ist freundschaftlicher Natur ^).

5. Aber sie ist nicht nur etwas Nothwendiges, sondern auchetwas Schönes. DennFreund seiner Freunde" zu heißen, gilt fürein Lob, und Vielbefreundetheit ") für eins der schönen Dinge'"),und in mancher Leute Augen sind Freunde und tugendhafte Männeridentisch.

6. Es herrscht jedoch über die Freundschaft in nicht wenigen Kap.

Punkten eine große Meinungsverschiedenheit. B?ä.

Einige nämlich definiren dieselbe als eine gewisse Gleichheitund behaupten, Freunde seien die Gleichen''). Daher heiße es denn

0) Man vergliche Aristot. Politik II, Kap. I, §. lk.

Aehnlich Platon im Staate I, p. 3Sl ä.

"> Vgl- öden Buch V, Kap. 10. §. 2. Diehöchste Gerechtigkeit" isthier die mit dem Gesetze der Billigkeit identische. Jacobi Woldemar II, S. 224 :Freunden darf die Gerechtigkeit nicht erst erst befohlen werden, aber Leute,die gegen einander gerecht sein sollen, bedürfen der Freund-schaft."

2) Diese Eigenschaft (sagt Aristoteles an einem andern Orte) besitzt vor-zugsweise die Jugend. S. Rhetorik II, Kap. 12, §. IZ.

V. Arist. Rhetorik !, Kap. S, §. ,6; und unten Kap. 10.

") Anspielung auf Platon und ältere Philosophen. S. Platon: LysisP. 214 8.

Aristoteles' Ethik.

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