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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Dreizehntes Kapitel.

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2. Auch kann sehr wohl irgend eine Lust höchstes Gut sein,trotzdem, daß cs gewisse Lüste gibt, welche schlecht sind, grade so gut,wie irgend eine Wissenschaft sehr wohl höchstes Gut sein kann, ob-schon es Wissenschaften-) gibt, die nichtig und schlecht sind. Ja,ich sollte fast meinen, es sei sogar nothwendig, daß, wenn es fürside Disposition ungehinderte Thätigkeiten gibt^), möge nundie Thatigkeit aller insgesammt, oder nur einer derselben Glück-seligkeit sein, sobald sie ungehindert ist es eine wünschenswer-ttzestc geben müsse; diese aber ist die Lust. Mithin ist die Möglich-keit gegeben, daß eine bestimmte Lust das höchste Gut sein kann,obschon die Mehrzahl der Lüste zufällig absolut schlecht und nichtigsein sollten. Das ist denn auch der Grund, wcßhalb die Menschensämmtlich das glückselige Leben immer auch für ein lustvolles halten,und die Glückseligkeit immer mit der Lust verbinden, worin sie ganzfolgerichtig verfahren. Denn keine Thatigkeit kann in ihrer Artvollkommen sein, wenn sie Hindernisse erfährt, die Glückseligkeit abergehört unter die vollkommenen Dinge. Deßhalb bedarf der Glück-selige als Zusatz der körperlichen Güter und der äußeren und derZusallsgüter, damit ihm der Mangel derselben nicht hinderlich sei. 3. Die Philosophen aber, die von einem Menschen, der auf demFolterrade liegt und der von großen Unglücksschicksalen heimgesuchtwird, doch behaupten, daß er glückselig sei, wenn er nur ein tugend-hafter Mann sei, sind Leute, die entweder absichtlich oder unabsicht-lich Nichtigkeiten sagen.

4. Allein weil das Zufällige äußere Glück als Zusatz für dieGlückseligkeit nöthig ist, so glauben manche Leute, zufälliges äußeresGlück sei dasselbe, was Glückseligkeit. Das ist aber keineswegs der

stehen zu dem Gleichen, so sei es auch in, Bereiche der Ethik. Die Lust,wenn such entgegengesetzt dem Schmerze, der ein Nebel sei, sei darum dochebensowenig ein Gutes, als das Mehr dadurch, daß es dem Wenigen ent-gegengesetzt sei, zu einem Gleichen werde.

2) Nämlich Wissenschaften im Sinne der griechischen Sprache,

welche dies Wort auch für jede beliebige Kunstfertigkeit, für dasSichverstehcnauf eine Sache", z. B. anf Tanz, Salbcnbereitung, Kochen n. dergl., braucht.Vgl. oben Kap, >2, §. 4.

Worin aber das Vergnügen (die Lust) besteht". Garve.