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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
Entstehung
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Neuntes Kapitel.

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Genüsse hat, als er sollte, und eben um dieser seiner Beschaffenheitwillen die Vorschriften der Vernunft nicht befolgt. Dieser also undder Uncnthaltsame sind die Extreme, zwischen denen der Enthaltsamein der Mitte steht. Der Unenthaltsame nämlich beharrt nicht beidem Vernunftgebot, weil er etwas zu viel hat, jener, weil er etwaszu wenig hat; der Enthaltsame dagegen beharrt und wird durchkeins von beiden von seinem Standpunkte abzebracht. Nothwendigmüssen nun aber, so gewiß die Enthaltsamkeit tugendhaft ist, diebeiden ihr entgegengesetzten Dispositionen schlechte sein, als welchesie denn auch erscheinen. Allein weil die eine derselben nur beiwenigen Menschen und nur selten sichtbar auftritt, so nimmt mangewöhnlich an, daß, wie die Mäßigung nur einen Gegensatz in derZügellosigkeit habe, so auch die Enthaltsamkeit nur die Unenthalt-samkeit zum Gegensätze habe.

6. Da aber die Sprache Vieles nach der Ähnlichkeit bezeich-net, so ist es auch gekommen, daß man der Ähnlichkeit wegen voneiner Enthaltsamkeit des Mäßigen gesprochen hat. Der Enthalt-same nämlich ist ein Mensch, der nichts gegen seine Vernunft undum der sinnlichen Genüsse willen thut, und ein solcher ist eben auchder Maßvolle; nur ist der Unterschied der, daß dieser so handelt,weil er keine schlechten Begierden hat, während jener allerdings solchehat, sie aber zügelt, und ferner, daß der Maßvolle ein Mensch ist,der nie eine Lust empfindet, welche im Widerspruch stünde mit seinerVernunft, während der Enthaltsame eine solche Lust allerdings em-pfindet, aber sich nicht von ihr Hinreißen läßt.

7. Ebenso sind auchder Unenthaltsame" und derZügel-lose" einander ähnlich und verwandt, obschon sie jeder etwas Ver-schiedenes find. Das Gemeinsame ist, daß beide den heimlichenGenüssen nachtrachten, der Unterschied aber ist der, daß der Zügel-lose dabei sogar in seinem Recht zu sein glaubt, während der Unent-same dies nicht glaubt.

Aristoteles' Ethik.

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