Siebentes Kapitel.
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-L. Den Gegensatz zu dem Unenthaltsamen bildet der Enthalt-same, zu dem „Weichlichen" der „Standhafte". Die Standhaftig-keit nämlich besteht im Widerstandleisten, die Enthaltsamkeit imHerrwerden; Widerstehen und Herrwerden sind aber verschiedeneDinge, gerade so, wie auch Nichtunterliegen etwas Anderes ist, alsSiegen; darum ist auch Enthaltsamkeit (Selbstbeherrschung) etwasHöheres, als Standhaftigkeit. — 5. Derjenige aber, welcher sichDingen gegenüber schwach zeigt, gegen welche die große Masse derMenschen Widerstand leistet und zu leisten befähigt ist, der ist Weich-ling und Zärtling, denn auch die Verzärtelung ist eine Art Weich-lichkeit; ein solcher Zärtling ist ein Mensch, der z. B. sein Gewandaus dem Boden schleifen läßt, um nur nicht die Beschwerde zuempfinden, die ihm das Aufheben desselben machen würde, undder, wenn er den Leidenden spielt, nicht unglücklich zu sein glaubt,während er doch wie ein Unglücklicher aussieht.
6. Aehnlich ist cs mit der Enthaltsamkeit und Unenthaltsam-keit. Es ist kein Grund zum Verwundern da, wenn Jemand vongewaltigen und übermäßigen Lust- oder Schmerzempfindungen über-wältigt wird, sondern es ist vielmehr verzeihlich, vorausgesetzt, daßein solcher eine Zeit lang Widerstand leistet, — (wie z. B. der vonder Natter gebissene Philoktet des Dichters Theodektes ^), oder derKerkyon in der Alope des Dichters Karkinos^); ebenso verzeihenwir auch denen, welche nach langer Anstrengung Lachen zurückzu-halten, endlich in Gelächter ausbrechen, wie das z. B. dem ekeno-phantos passirte^); — wohl aber ist der ein Gegenstand unseres
weichenden Lesarten der Handschriften deuten. Der Sinn kann nur sein:„von den beide» oben (zu Auf. des §' 3) genannten Menschenklassen ist dieFehlerhaftigkeit der einen mehr eine Art von „Weichlichkeit", während einMensch, der der andern angehört, als „unmäßig" erscheint". Dusgehört zu beiden Worten.
"l lieber diesen tragischen Lieblingsdichter des Aristoteles s. meine Anmer-kung zur llebersctzung der Aristotel. Rhetorik. Dgl. Cicero Wu8cul. II, 7.
5) S. meine Anmcrk. zur Uebersetzung von Aristoteles Poetik Kap. IS.§> 2. S. lZS.
6- Anspielung auf einen damals bekannten Vorfall, dessen Held vielleichtder im Gefolge Alexanders des Großen befindliche Flötenvirtuose Lenophantos