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Siebentes Buch.
2. Wir haben ferner gesehen, daß einige Genüsse nothwendigfind, andere dagegen es nicht sind, Laß ferner jene erfteren es nurbis zu einem gewissen Grade sind, ein Uebermaß in denselben abernicht als durch die Nothwendigkeit berechtigt gelten kann; ferner:daß eS sich eben so verhält mit den Begierden und mit den Schmerz-empfindungen. Hieraus folgt, daß derjenige, der Genüssen nach-hängt, welche an sich schon ein Uebermaß enthalten, oder der inGenüssen, die an sich erlaubt sind, bis zum Uebermaß geht,—wenn 2) er dies vorsätzlich thut, so daß er dabei nur den Genußallein zum Zwecke hat, nicht ihn als Mittel zu einem andern Zweckebetrachtet — ein Unmäßiger (Zügelloser) ist. Denn ein solcherMensch kann sein Thun unmöglich bereuen; er ist also unheilbar,weil der Reuelose eben unheilbar ist. Sein Gegensatz ist der, welcherin der Unempfindlichkeit zu weit geht, und in der Mitte lieht derMaßvolle. — Ebenso verhält es sich mit demjenigen, welcher jedeArt körperlicher Unlust flieht, nicht weil er Lurch die Empfindungüberwältigt wird, sondern aus bewußtem Grundsätze.
3. Was aber diejenigen betrifft, die nicht absichtlich undgrundsätzlich so Handel», so zerfallen sie in zwei Klassen. Die eineläßt sich leiten von der Lust, für die andere ist der Bestimmungs-grund ihres Handelns die Scheu vor dem aus der Begierde resul-tirenden Schmerze. Zwischen diesen beiden und jenen vorigen istalso ein Unterschied. In Jedermanns Augen wird der für niedrigergelten, der ohne Antrieb der Begierde, oder doch nur in sehr gerin-gem Grade von Begierde bewegt, etwas Schändliches begeht, als
. derjenige, welcher dasselbe aus leidenschaftlicher Begierde thut, undJedermann hält einen Schlag, der mit kaltem Blute gegeben wird,für einen Beweis von größerem Uebclwollen, als einen Schlag, denEiner im Zorne gibt; denn (sagt man sich), was würde Jener erstthun, wenn er in Leidenschaft wäre? Darum ist der Unmäßige einschlechterer Mensch, als der Unenthaltsame ^).
2) Ich lese kl statt ? mit Zwinger. KiphaniuS und Berg.
6) Die hier im Texte folgenden Worte bis o ck
axo^erarox ländere Handschr. haben «rx^errijel halte ich für eine später inden Text gebrachte Randbemerkung irgend eines Lesers, worauf auch die ab<