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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Siebentes Buch.

Folglich, wenn und da diese Unenthaltsamkeit ungerechter ist, alsdie, welche sich im Zorne bethätigt, so ist sic auch sittlichhäßlichcr, sieistUnenthaltsamkeit" im eigentlichen Sinne, und in gewisser WeiseLaster.

4. Ferner: von keinem Menschen kann gesagt werden, daß ereinen andern aus Uebcrmuth kränke, wenn er selbst bei seinem Han-deln und Empfinden schmerzhaft afficirt wird. Nun wird aber jeder,der aus Zorn handelt, bei seinem Thun schmerzlich afficirt, währenddagegen der aus Uebcrmuth Handelnde es mit Lustempfindung thut.Wenn nun also die Dinge, welche am meisten mit Recht unscrn Zor»erregen, auch die ungerechteren sind, so ist dies auch diejenige Unent-haltsamkeit, welche aus sinnlicher Begierde entspringt?); denn imZorne findet beleidigender Uebcrmuth nicht statt.

3. Im Bisherigen ist also klar gemacht, daß die Uucuthalt-samkeit, welche sich im Bereiche der Begierde zeigt, sittlich häßlicherist, als die, welche sich im Bereiche des Zornes zeigt, und daß dieBegriffe Enthaltsamkeit und Unenthaltsamkeit sich auf die körper-lichen Begierden und Lüste beziehen. Jetzt gilt es, die Unterschiededieser letzteren aufzuzeigcn. 6. Wie nämlich zu Anfang gesagtift b), find sie theils sowohl der Art, als dem Grade nach natürlicheund menschliche, theils thierisch-rohe, theils endlich Erzeugnisse vonkörperlichen Defekten oder von Krankheiten. Nur die erstgenanntenfind solche, worauf sich die Tugend der Mäßigkeit und das Lasterder Zügellosigkeit beziehen; darum nennen wir auch die Thiere wedermäßig", nochzügellos", außer wenn wir metaphorisch sprechenund in Fällen, wo überhaupt eine Thiergattung es der andern zu-vorthut, in Wildheit, Geilheit oder Gefräßigkeit. Denn das Thierhat weder Vorsatz noch Ueberlegung, sondern es istnicht bei sich",wie Menschen im rasenden Zustande nichtbei sich find".

7. Thierische Rohheit ist daher ein geringeres Uebel als

7) Denn (setze man hinzn) sie veranlaßt übermüthigeS Beleidigen andererMenschen. Vgl. Nhetor. H, Kap. 2.

8) S- oben Kap. 4, 2 u. 7. Der Ausdruckzu Anfang" geht auf

den Anfang derheutigen" Vorlesung. Denn die Aristotelischen Schriftentragen durchaus den Charakter mündlicher Vorlesungen und Bortrage.