Sechstes Kapitel.
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sittlich häßlicher. Denn derjenige, der sich vom Zorne bemcisternläßt, unterliegt in gewisser Weise der Vernunft, der Andere dagegenunterliegt der Begierde und nicht der Vernunft.
2. Ferner ist cs verzeihlicher, wenn Einer den natürlichenTrieben 3) folgt, da ja auch bei allen solchen Begierden, welche allenMenschen gemein, und so weit sie gemein sind, eher Verzeihung ein-tritt. Nun sind aber der Zorn und die Heftigkeit natürlicher, alsdiejenigen sinnlichen Begierden, die das Maß überschreiten und aufdiese Dinge gehen, die keine nothwendigen Bedürfnisse sind. Diesennatürlichen Ursprung des Zornes hatte jener Mensch im Sinne, derdarüber, daß er seinen Vater schlüge, sich also rechtfertigte: „hat er;a auch seinen Vater geschlagen", sagte er, „und dieser den Aelter-vater"; und aus seinen Knaben zeigend, setzte er hinzu: „und derda wird mich schlagen, wenn er zum Mann erwachsen sein wird,denn es liegt uns im Blut". Dahin gehört auch das Geschichtchenvon dem Manne, den sein Sohn gewaltsam zur Thüre hinaus-schleiste, und der dem Sohne zurief: „hier laß mich los, denn weiter,als bis hierher, habe ich meinen Vater auch nicht geschleift!" ^).
3. Ferner vermehrt Heimtücke das' Unrecht. Nun ist aber derZornmüthige und überhaupt der Zorn nicht heimtückisch, sondernoffen, wohl aber ist es die Begierde, wie es im Liede von der Aphro-dite heißt:
„der Nänkespinnerin Kyprogeneia" —und von ihrem Gürtel sagt Homer 6):
— — „in dem Gürtel bewahrte sie jeglichen Zauber:
Liebreiz, schmachtendes Sehnen und Kosen und schmeichelnde BitteWohnte darin, die selbst den Verstand des Verständigsten
forrrc ißt!"
ä) das „Hinausstreben", der Trieb, s. Biese II, S. 25—26.
§1 Aehniiih ist der Zug in einem deutschen VvlkSliede, das in Arnim'Sund Brentano'S Sammlung, des Knaben Wunderhorn Th. II, S. 25S steht.Zcll.
5, Vielleicht aus einem Liede der Sapphv, bei welcher Aphrodite in einemFragment: „Tochter ZeuS', du Nänkespinnerin!" angeredet wird.
s> Jliad, XIV, 215 — 2 17. Aristoteles cikirt im Texte nur die von mirunterstrichenen Worte,