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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Siebentes Buch.

schiedenen Arten des Bestialcn, wie man z. B. von einem mensch-lichen Wesen weiblichen Geschlechts') erzählt, daß sie schwangerenFrauen den Leib aufzuschneiden und die Frucht zu verschlingenpflegte, oder Züge, wie man sie von gewissen wilden Völkerschaftenam Pontos erzählt, die rohes Fleisch oder sogar Menschenfleisch zuessen lieben, oder wo die Väter einander ihre kleinen Kinder alsLeckerbissen vorsetzen, oder wie das, was man von Phalaris erzählt^). 3. Dieses sind nun rein thicrische Bestialitäten. Andere un-natürliche Begierden und Gelüste dagegen kommen bei Einigen vorals Folge von Krankheiten oder auch von Geistesstörung, wie derFall, wo Einer seine Mutter als Opfer schlachtet und ihr Fleisch,oder der Fall, wo ein Sklave die Leber seines Mitsklaven verzehrte.Andere Gelüste und Genüsse sind theils krampfhafter Art, theilsFolge von übler Angewohnheit, wie z. B. das Haarausreißen unddas Nägelkauen, oder auch das Kohlen- und Erde-cssen; auch dieLust an männlicher Unzucht gehört hierher, denn sie ist theils Folgeangeborner Naturneigung, theils entspringt sic aus Gewöhnung, wiez. B. bei solchen Individuen, die von ihrem Knabenalter an zu un-natürlicher Wollust gemißbraucht wurden ^).

ä. Diejenigen nun, bei welchen solche Neigungen natürlicheAnlage sind, die kann Niemandunentbaltsam" nennen, so wenig,wie man die Weiber darum schelten kann, daß sie nicht aktiv, sondernpassiv sich dem Mann gegenüber verhalten; und ebenso ist cs mitdenen, welche durch Gewöhnung mit krankhaften Gelüsten behaftetfind. 5. Solche Neigungen an sich zu haben, fällt außerhalb derBestimmungen der sittlichen Schlechtigkeit, ebenso wie auch die thie-risch-rohe Bestialität. Wenn Einer, der sie hat, sie beherrscht oder

'l Nach der mythischen Erzählung hieß s!e Lamia, und war eine asiatischeKönigstochter. S. Divd. v. Sic. XX, Kap. 41, der die Fabel ausführlicherzählt.

lieber Phalaris s. meine Anmerk. zu Aristot. Rhetorik II, Kap. 2».§. 5. Bon den menschenfrcff-rischen Böikerstämmen am PontoS spricht Aristot.auch in seiner Politik VIII, Kap. 3, §. 4, woselbst die Anmerkung zu unsererUebersetzung S. 43g nachzulesen ist.

lieber die Knabenliebe s. den Exkurs zu unserer Ueberschung derAristotel. Politik II, 7, L. S. 46«4SI. Bgl. Problem. IV, 27.