Fünftes Kapitel.
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6. Ebensowenig ist „Unenthaltsamkeit" das hier passendeWort; denn die Unenthaltsamkeit ist nicht nur etwas, was wir ver-meiden müssen, sondern sie ist auch zugleich etwas an und für sichTadelhaftes. Weil aber die bei den obigen Fällen ins Spiel kom-mende Affektion des Gemüths eine gewisse Aehnlichkeit mit ihr b)hat, so braucht man im gemeinen Leben den Ausdruck Unenthalt-samkeit mit einem speziellen Zusatze des Gegenstandes, etwa so, wieman z. B. von Jemand sagt, daß er „ein schlechter Arzt", oder„ein schlechter Schauspieler" sei, ohne damit sagen zu wollen, daßer überhaupt ein schlechter Mensch sei.
Wie wir also in diesen Beispielen den Ausdruck „schlecht"nicht im absoluten Sinne brauchen, — weil ja das, was wir demMenschen als Arzt oder Schauspieler vorwerfen, nicht Schlechtigkeitabsolut ist, — sondern ihn nur wegen einer analogen Aehnlichkeitbrauchen, grade so müssen wir auch annehmen, daß auch in jenem an-dern Falle Enthaltsamkeit und Unenthaltsamkeit im eigentlichenSinne, nur mit denselben Gegenständen zu thun haben, aus welchesich die Mäßigkeit und die Unmäßigkeit beziehen, und was den Zornanlangt, jene Bezeichnung der Aehnlichkeit wegen brauchen, unddarum auch zu dem Worte „unenthaltsam" den Zusatz machen „imZorne", wie wir von Unenthaltsamkeit in Betreff der Ehre oder desGewinnes sprechen.
Fünftes Kapitel.
So wie wir gesehen haben, daß einige Dinge von Natur an-genehm, und zwar theils absolut für alle Wesen, theils verschieden,je nach den verschiedenen Gattungen bei Thiercn und Menschen,wieder andere dagegen nicht von Natur angenehm sind, sondern esnur sind theils durch Krankhaftigkeit des Organismus, theils durchGewohnheiten, theils durch lasterhafte Naturanlagen: so kann manauch in jedem dieser einzelnen Fälle entsprechende habituelle Seelen-zustände (Fertigkeiten) wahrnehmen. — 2. Ich meine hier die ver-
5> Nämlich mit !lrr Nnenthallsnmkeit und Selbstbeherrschungslvsigkeit.
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