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Siebentes Tuch.
von starker Begierde angetricben thut. Denn, — kann man füglichfragen — was würde jener erst thun, wenn jugcndlichheftige Begierdeund fehr starkes Schmerzgefühl beim Mangel an den allernothwcn-digsten Lebensbedürfnissen über ihn käme?
5. Da nun von den Begierden und Genüssen nach unsererfrüheren Eintheilung die einen der Gattung nach gut und tugendhaftsind, — denn cs gibt Genüsse, welche die Natur selbst zu suchen unsgebietet — andere das Gegentheil der elfteren, andere endlich, welchezwischen beiden mitten inne liegen, wie z. B. Vermögen, Gewinn,Sieg, Ehre: so ist zu bemerken, daß im Leben ein Mensch in Bezugauf alle diese guten oder in der Mitte zwischen Gut und Böse lie-genden Begierden und Genüsse nicht deßhalb dem Tadel unterliegt,weil er ihnen überhaupt unterworfen ist, oder sie liebt und begehrt,sondern wenn dabei irgendwie ein Uebermaß stattfindct. Daher er-leiden alle diejenigen Tadel, welche über das richtige Maß der Ver-nunft sich von Dingen beherrschen lassen, oder Dinge verfolgen, dievon Natur schön und gut find, z. B. die, welche über Gebühr aufEhre oder auf Kinder und Eltern halten, obschon das lauter Dingefind, die zu den Gütern gehören, und obschon die, welche daraufhalten, gelobt werden; allein es gibt auch hier ein Zuviel, wennJemand, z. B. wie Niobe ^), selbst die Götter zum Kampf hcraus-forderte, oder wie jener Satyros, mit dem Zunamen Philopator, sichum seinen Vater hättet, denn sein Benehmen galt doch für über-aus verrückt. Als Lasterhaftigkeit ist allerdings aus dem oben ange-gebenen Grunde dergleichen keineswegs zu begreifen, weil die Objekte,um die es sich handelt, doch immer zu denen gehören, welche vonNatur unsere Neigung für sie in Anspruch nehmen; allein das Zu-viel darin ist und bleibt etwas Fehlerhaftes, was wir zu vermeidenhaben.
lieber die Sage von der Niobe, welche sich gegen Latona vermaß imStolz auf ihre Kinder, s. Ad. Stahr, Torso I, S. 374 ff.
Anspielung auf eine nicht mehr bekannte Geschichte, die damals viel,leicht in Aller Munde war. Einen Satyros, Tyrannen eines Landstrich«am Bosporus, der kurz vor Arist. Zeit lebte, erwähnt Diodor. v. Sicil. XlV,93; vgl. 2V, 22, 23 u. 26.