Drittes Kapitel.
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geschieht es, daß der Mensch in solchen Fällen gewissermaßen nacheinem Räsonnement und nach einer Meinung (einem Grundsätze)unenthaltsam handelt, die der allgemeinen nicht an und für sich,sondern nur durch das Zusammentreffen zufälliger Umstände wider-spricht. — 11. Denn die Begierde ist dann daS der richtigen Ver-nunft 2) und Uebcrlegung Widerstreitende, nicht die Meinung.Darum können denn also auch die Thiere nicht „unenthaltsam" sein,weil sie keine allgemeine Vorstellung haben, sondern nur Phantasieund Gedächtniß für die Einzeldinge.
12. Fragte man aber: wie wird die Unwissenheit des Unent-haltsamen gehoben, und wie wird er wieder ein Wissender? so lautetdie Antwort: es ist damit ganz wie bei dem Berauschten und beidem Schlafenden, und hat bei der Unenthaltsamkeit durchaus keineeigeuthümliche Bewandtniß; über das „wie" aber des Vorgangsmag man sich bei den Physiologen erkundigen.
13. Also: da der Untersatz eine Meinung über sinnlich Wahr-nehm,bares ist, und von ihm der Entschluß zum Handeln abhängt,so sind zwei Fälle möglich: entweder der Unenthaltsame hat dieseEinsicht (die den Untersatz bildet) nicht, oder er hat sie bloß so, daßsein „Haben" nicht Wissen ist, sondern bloß ein Reden, wie derTrunkene, der die Sätze des Empedokles vorträgt 2). Und weildiese „Meinung", die den Untersatz bildet, nicht eine allgemeine istund also auch nicht in demselben Grade für wissenschaftlich gilt, wiedie allgemeine, so scheint auch Sokrates mit seiner BehauptungRecht zu haben. Denn allerdings tritt die Unenthaltsamkeit nichtda auf, wo dem Menschen die eigentlich sogenannte und als solchegeltende „Wissenschaft" noch zur Hand ist, und nicht diese wirddurch die Leidenschaft aus Abwege gezogen, sondern nur die sinnlicheErkenntniß.
So viel über die Möglichkeit: ob der Mensch wissentlich odernicht, und wie er wissentlich unenthaltsam sein könne.
2) Dem rechten Maße <o(>Aox gv)/ox) s. Biese II, S. U7L.2- S. oben §. 8.