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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Siebentes Buch.

zcugung der Grund ist, weßwegen die bloßMeinenden" dazu ge-führt werden, eher und leichter als dieWissenden" gegen ihreAnsicht zu handeln, so wird zwischen Wissenschaft und Meinung keinUnterschied sein, weil es Leute gibt, die auf das, was siemeinen",sich eben so fest verlassen, als andere auf das, was siewissen",wovon Heraklitos ein Beispiel gibt ^).

5. Dagegen werden wir, da der Begriff Wissen ein dop-pelter ist und wir ebensowohl von dem, welcher das Wissen besitzt,ohne es anzuwenden, als von dem, der es anwendet, in unsererSprache sagen: er weiß,einen Unterschied anzunehmen habenzwischen dem, der, im Besitze des Wissens, aber ohne gerade in demAugenblicke sein Nachdenken durauf zu richten, das Böse und Un-rechte thut, und zwischen dem, der es wissentlich und mit vollemBewußtsein thut; denn dies letztere ist es, was für schrecklich undunbegreiflich gilt, aber nicht das erstere.

6. Ferner: da bei jedem praktischen Schluffe zwei Vordersätzein Betracht kommen, so ist es sehr wohl möglich, daß Jemand, ob-schon er die Wissenschaft von beiden in sich trägt, doch gegen dieseseine Wissenschaft handelt, nämlich dadurch, daß er zwar bei demallgemeinen Vordersätze seine Wissenschaft anwendet, aber nicht beidem, der aus das Besondere geht, während es doch das Besondereist, worauf es beim Handeln ankommt ^). Aber auch bet dem All-

"b Schleiermacher in seiner Schrift über Heraklit p. 340 führt diese Ari-stotelische Stelle unter denen an, welche beweisen sollen, baß Aristoteles denHeraklit für einen Autodidakten gehalten habe. S. jedoch Lasaüe, Heraklit I.S. 12 ff. I3l> und S. 301. Was Aristoteles bei Heraklit vermißt, ist nachLasallederMangel vermittelnder Beweisführung". Heraklitos zeichnete unmittel-bar und in positiver Form feine Gedanken auf, als verwirklicht in den Er-scheinungen der Natur, oline sie durch Gründe ausführlich zu beweisen. Dieswar mit ein Grund seiner Dunkelheit. S. Lasalle S. 32 ff. Vgl. S. 304.

5) Der griechische Paraphrast gibt folgendes erklärende Beispiel: Jemandweiß, dies oder das ist schlecht, und das Schlechte darf man nicht rhun, folg-lich darf ich dies und das nicht thun. Beide Vorstellungen sind also als Wisse»in seiner Seele. Nun kommt aber eine Begierde, die ihn zu etwas Schlechtemhintreibt. Seine allgemeine Erkcnntniß, daß man das Schlechte nicht thundarf, bleibt wirksam, und auch sein Wissen, daß die«, was er zu thun sichgedrungen fühlt, nicht gcthan werden soll, ist noch in ihm, aber es ist nichtthatig, weil er von der Begierde verblendet ist.