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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Zweites Kapitel.

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Menschen dahin bringt, daß er bei jeder einmal gefaßten Meinungzu beharren geneigt ist, so ist sie schlecht, wie z. B. wenn fie auchbei dem Falschen beharrt; und andererseits, wenn die Schwäche derSclbstbeherrschungslosigkeit dazu führt, daß sich der Mensch vonjeder Meinung abbringen läßt, so wird es auch eine tugendhafteSelbstbeherrschungslofigkeit geben, wie z. B. die des SophokleischenNeoptolemos im Philoktet^), denn dieser verdient Lob dafür, daßer aus Schmerz darüber, daß er lügen soll, nicht bei dem Vorsatzebleibt, zu dem er von Odysseus überredet worden war.

8. Auch macht der sophistische Schluß, weil er ein lügnerischerist, eine Schwierigkeit. Die Sophisten gehen darauf aus, paradoxeDinge zu beweisen, um sich in Ansehen zu setzen, wenn es ihnengelingt, und darum belästigt ihr Schluß, zu dem fie kommen, den-jenigen, gegen den fie ihre Kunst üben. Sein Denkvermögen fühltsich nämlich gebunden, sobald er nicht Lust hat, das Räsonnement,welches fie zu Stande gebracht haben, als ein festes hinzunehmenund sich dabei zu beruhigen, und doch nicht dasselbe zu verwerfen imStande ist, weil er die Schwierigkeit nicht zu lösen vermag ?).

9. So gibt es ein Räsonnement, zu Folge dessen es als Re-sultat herauskommt, daß Unverstand, gepaart mit Charakterschwäche,Tugend ist. Denn (kann man sagen) ein so beschaffener Menschthut aus Charakterschwäche oft das Gegentheil von demjenigen,was er als gut anfieht, und sein Unverstand wiederum bewirkt, daßer das Gute für etwas Böses, was man nicht thun müsse, anfieht.Das Resultat wird also sein, daß er letztlich das Gute und nichtdas Böse thun wird.

10. Ferner: derjenige, welcher aus Ueberzeugung und mitfreiem Vorsatze dasjenige thut und dem nachjagt, was die Lust reizt,darf jedenfalls für einen besseren Menschen gelten, als der, der diesnicht aus Ueberzeugung und mit Vorsatz, sondern aus mangelnder

b> S. Sophokl. Philoktet V. S08SIS. lieber die Sache selbst s.Kap. 9 dieses »uchs.

7) Der Sinn dieses Aristotel. Beispiels ist: Hält der von den SophistenBerückte fest an dem Resultat ihres salfchen RäsonncmentS, so ist diese Be,harrlichkeit nur tadelnswertst.