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Siebentes Buch.
4. Folglich: wenn es wirklich nicht wahres Wissen, sondernnur Meinung, nicht eine starke Ueberzeugung ist, welche den Wider-part^) hält, sondern nur eine schwache, wie sie bei Zweifelndenstattfindet, so sei es verzeihlich, wenn der Betreffende im Kampfegegen die starken Begierden nicht bei seinen Anfichten verharre.Für die Lasterhaftigkeit dagegen oder für irgend welche andere tadel-hafte Eigenschaft findet keine Verzeihung statt.
5. Also, sagt man, tritt die Unverzeihlichkeit dann ein, wennes Klugheit ist, welche Widerpart hält, denn diese ist ja sehr stark.Aber das ist ein Widersinn; denn auf diese Weise wird es so her-auskommen, daß ein und derselbe Mensch zugleich klug und selbst-beherrschungslos ist, und cS dürfte sich doch wohl schwerlich einMensch auf der Welt finden, der da behauptete, daß es zur Klugheitgehöre, wider eigenen Willen die schlechtesten Dinge zu thun. Obcn-cin ist von uns im Verlaufe unserer früheren Betrachtung nachge-wiesen worden, daß der Kluge auch ein Mensch ist, der klug zuhandeln versteht, denn er steht auf einer der höchsten und äußerstenStufen und befindet sich im Besitz auch der übrigen Tugenden. —
6. Ferner: wenn wirklich der Sichbeherrschende eS nöthig hat, starkeund schlechte Begierden in sich zu haben, so wird weder der Maßvolleein Sichselbstbeherrschender sein können, noch der Sichselbstbeherr-schende ein Maßvoller, denn zum Wesen des Maßvollen gehört eben-sowenig weder das Uebcrmaß der Begierden, noch die Schlechtigkeitderselben. Uno doch müßte es so sein. Denn wären die Begierdentugendhafte, so würde diejenige Gemüthbeschaffenheit, welche esverhindert, ihnen Folge zu leisten, eine schlechte sein, so daß alsonicht jede Selbstbeherrschung tugendhaft sein würde. Wären sie aberschwach und nicht schlecht, so wäre ihre Ueberwindung durchausnichts Erhabenes, so wenig als sie etwas Großes wäre, wenn dieBegierden schwach und zugleich schlecht wären.
7. Ferner: wenn die Festigkeit der Selbstbeherrschung den
entspricht oder nicht. S. Biese I, lSL und r>2. — Die Bezeichnung dersogenannten religiösen Wahrheiten als „Dogmen" ist also sehr
entsprechend für deren innere Gewähr.
5- Gegen die Begierden.