^ Zweites Kapitel.
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Zweites Kapitel.
Nun kann man fragen: wie mag Jemand, der die richtige Kap.Ansicht hat, selbstbeherrschungslos sein? Bei wirklichem Wissen, Uft,,sagen einige, sei das in der That doch unmöglich; denn cs wäredoch schrecklich, meinte Sokratesdaß einen Menschen, der wirklichWissen besitze, etwas Anderes beherrschen und wie einen Sklavenbald da-, bald dorthin ziehen sollte. Sokrates nämlich bestritt über-haupt den Begriff, indem er behauptet, in solchem Falle sei Selbst-beherrschungslosigkeit nicht möglich; denn Niemand handle gegenseine Ansicht dem Besten zuwider, sondern nur aus Unwissenheit.
2. Allein diese Behauptung ist ein Widerstreit mit den klarenThatsachen, und wir haben vielmehr die Leidenschaft 2) zu unter-suchen und die Frage zu beantworten: welche Art von Unwissenheithier stattfindet. Denn daß der Betreffende ^), in einem vorkommen-den Falle sich selbstbeherrschungslos Erweisende jedenfalls die Mei-nung, das zu thun, was er thut, nicht schon vorher hat, ehe er indie Leidenschaft gerieth, ist augenscheinlich.
3. Nun gibt cs aber Philosophen, welche einen Theil derSokratischen Ansicht zugeben, den andern aber nicht. Daß nichtsstärker sei, als wahres Wissen, gestehen sie zu, daß aber keinMensch wider das handle, was ihm das Bessere dünke, gestehen sienicht zu, und darum behaupten sie, der Selbstbeherrschungslosewerde darum überwältigt von seinen Begierden, weil er eben daswahre Wissen nicht besitze, sondern nur eine unwissenschaftlicheMeinung 4).
r- Man vergl. Lenophon, Memorabilien des SokrateS, Buch lll, Kap. S§. 4. und Platon Protagor. p. Z52.
2» S. die sechste Anmerkung zu dem vorhergehenden Kapitel,h D. h. der, welcher aus Mangel an Selbstbeherrschung etwas Unrech-tes thut.
Griechisch d. h. subjektive Ansicht oder Vorstellung. Die stoLer
besteht sich nicht auf die objektiven Bestimmungen und Meinungen, welche derEinzelne sich gebildet hat. wobei es zufällig ist. ob der Gegenstand denselben