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Siebentes Buch.
lingt, die ihnen entgegenstehendcn Schwierigkeiten aufzulösen undso den bleibenden Rest der herrschenden Ansichten als Resultat zubelassen, so werden wir die Aufgabe unserer Untersuchung genügenderfüllt haben.
Kap. 6. Als ausgemacht nimmt man bekanntlich an, daß Selbst-
Be». beherrschung und Festigkeit zu den guten und löblichen Dingen, Un-mäßigkeit und Weichlichkeit dagegen zu den nichtsnutzigen undtadelnswerthen gehören, und daß Selbstbeherrschung gleichbedeutendist mit Verharren bei seinem nach vernünftigen Gründen gefaßtenEntschlüsse, und Maßlosigkeit gleichbedeutend mit Nichtverharren beidemselben. Ferner: der Unmäßige (d.h. der nicht sich Beherrscbende)weiß, daß er schlecht handelt aus Leidenschaft^), und der Selbst-beherrschende weiß, daß die Begierden schlecht sind und folgt ihnennicht, weil es ihm seine Vernunft verbietet. Ferner gilt als aus-gemacht, daß der Maßvolle die Eigenschaften der Selbstbeherrschungund der Festigkeit besitze; ob aber Jemand, der diese Eigenschaftenbesitzt, auch in aller und jeder Hinsicht als ein „Maßvoller"anzusehen sei oder nicht, darüber ist man getheilter Ansicht, ebensowie einige die Bezeichnungen „zügellos" und „selbstbeherrschend"unterschiedlos gebrauchen, andere dagegen einen Unterschied statuire».— 7. Ferner, was den Begriff „verständig" (klug,betrifft, so sagen die Einen, ein Verständiger und Kluger könneunmöglich selbstbeherrschungslos sein, während dagegen Anderebehaupten, daß bisweilen sehr kluge und zu allem geschickte Leuteselbstbeherrschungslos seien. Endlich braucht man die Bezeichnung„selbstbeherrschungslos"'') auch von den Leidenschaften des Zorns,der Ehrsucht und der Gewinnsucht. — Dies find also die über jeneEigenschaften gäng und gäben Meinungen.
2- „Leidenschaft" ist hier so viel als Erleidung einer Beeinflussung vonaußen her, durch Begierde u. s. w.
6) Ein Begriff, der eigentlich auf Widerstand gegen heimliche Lust geht.Garve.