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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Sechstes Buch.

dem ethischen zwei: erstens die natürliche Tugend, zweitens dieTugend im eigentlichen Sinne, und diese lchtere ist ohne Klugheitnicht möglich. 3. Deshalb behaupten einige Philosophen, daßsämmtliche Tugenden nur verschiedene Arten der Klugheit und Ein-sicht seien, und Sokrates hatte theils Recht, theils war er im Jrr-thum mit dieser Ansicht. Er irrte, wenn er meinte, daß alle mensch-lichen Tugenden nur Wissen und Einsicht seien, aber er sprach einherrliches Wort, wenn er sagte: cs gebe keine Tugend ohne Ein-sicht ^). 4. Beweis: schon jetzig fügen alle, sobald sie dieTugend definiren wollen, den Begriff der Fertigkeit (des Habitus,der k§rc) hinzu, und sagen, sie sei die Fertigkeit, in Bezug auf diein ihren Bereich gehörigen Dinge nach richtiger Einsicht zu han-deln. Richtig aber ist die, welche der praktischen Klugheit gemäßist. Sie scheinen also alle gewissermaßen dunkel zu ahnen, daß einesolche Fertigkeit, wenn sic von Klugheit geleitet wird, Tugend ist. 5. Man sollte aber in jener Definition noch eine kleine Aende-rung machen, denn dazu, daß die Fertigkeit Tugend sei, gehörtnicht bloß, daß sie sich nach der richtigen Vernunft richte, sondernsie muß mit ihr unzertrennlich verbunden sein. DierichtigeVernunft" ist aber eben in dieser Sphäre die Praktische Klugheit.Der Unterschied ist also der: Sokrates war der Meinung, die Tu-genden seien intellektuelle Eigenschaften , denn sic seien

sämmtlichWissenschaften"; wir dagegen sagen, sie sind verbundenmit dem Intellekt.

6. Aus dem, was ich gesagt habe, ist nun also klar, daß eSeinerseits nicht möglich ist, tugendhaft im eigentlichen Sinne zu

a>Sokrates, der, abgewandt von der Naturphilosophie, in der genauenReflexion auf die selbstbewußte Thätigkeit des Geistes einen sichern Ausgangs-punkt für eine feste BegriffSbilduug zu finden hoffte, faßte nur die eineSeite der Tugend auf, das Wissen, und den Begriff derselben, und verkanntehierüber den konkreten Ausgangspunkt der Tugend, wie er sich in dem Affekt<7i«Aox> und in der Sitte essAox» findet". Biese II, 241. Man sehePlatonsMcnon".

">) D. h. schon bald nach PlatvnS Tode.

5) Genau: der richtigen Vernunft gemäß (x«rer ror- /lo/ov).

b) D. h. im Bereiche des Handelns.