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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Dreizehntes Kapitel.

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Dreizehntes Kapitel.

Wir müssen jetzt die Untersuchung über die Tugend noch ein-mal wieder aufnehmen, weil auch die Tugend zu demGenie" inähnlichem Verhältnisse steht, wie die praktische Klugheit: sie ist nichteins und dasselbe, aber etwas Verwandtes. Es ist dasselbe Verhält-niß, wie das der natürlich angebornen Tugend zu der eigentlichen.Jede der verschiedenen sittlichen Tugenden nämlich erscheint in ge-wisser Beziehung als eine natürliche, denn wir haben unter unsgerechte, maßvolle, tapfere u. s. w. Menschen, die dies von derWiege an sind; und dessenungeachtet suchen wir noch etwas Anderes,welches das eigentlicheGute" (Tugend) sei, und verlangen, daßder Mensch diese Eigenschaften noch auf eine andere Art besitzen soll.Denn was die natürlichen Dispositionen anlangt, so finddieselben auch Kindern und Thieren eigen, aber ohne geistige Ein-sicht erscheinen sie vielmehr als schädlich. Jedenfalls scheint so vielsichtbar vor Augen zu liegen, daß, so wie es einem sehr starken undschweren menschlichen oder thierischen Körper begegnet, daß er, wenner sich ohne den Sinn des Gesichts fortbewegt, auch sehr gefährlichund schwer fällt oder anstößt, eben so auf geistigem Gebiete derselbeFall eintritt. 2. Wenn aber zu der natürlichen Begabung sichgeistige Einsicht gesellt, so leistet sie Ausgezeichnetes, und der Habi-tus selbst, wenn er in beiden Fällen der gleiche ist, wird dann erst^)im eigentlichen Sinne Tugend. Also: wie es von demjenigen Er-kenntnißvermögen, welches auf das Wahrscheinliche geht, zwei For-men gibt, Genialität und praktische Klugheit, so gibt es auch von

H Hier hoben wir den Keim der Lehre des großen englischen HistorikersH. Thomas Buckle von der überwiegende» Wichtigkeit des intellektuelle»Vermögens, wenn derselbe sogt (Geschichte der Civilisation I, I, S. I5S derdeutschen Uebersehung von A. Nuge>:ES gibt kein Beispiel in der Geschichte,dofi ein unwissender Monn mit guten Absichten und mit der höchsten Gewaltsie zwangsweise durchzusehen, nicht viel mehr UebleS, als Gutes gestiftethätte".

2) Don» erst, d. h. wenn er mit vernünftiger Einsicht und Klugheit(Verstandesausbildung) gepaart ist.

Aristoteles' Ethik.

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