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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Sechstes Buch.

der Sprache als einennachsichtigen" bezeichnen, und in gewissenDingen nachsichtig seinbillig" nennen. In der That ist die Nach-sicht eben eine richtige Beurteilung dessen, was billig ist, richtig,insofern sie wahr ist.

Kap. 2. Es haben aber alle diese Beschaffenheiten auch wieder ihr

Bett. Gemeinwesen. Denn sprachlich legen wir Einsicht und Verständig-keit und praktische Klugheit ein und denselben Individuen bei, indemwir von ihnen prädizircn, daß sie Einsicht, ja selbst Verstand haben,und sie als praktisch Kluge und Einsicktige bezeichnen. Alle dieseVermögen sind nämlich (schon darin eins), daß sie es mit den letztenSchlußfolgcn unserer Ideen und mit lauter Einzeldingen zu thunhaben, und daß ein und derselbe Mensch, der sich als richtiger Ur-theilcr in den Dingen zeigt, mit denen es der praktisch Kluge zuthun hat, auch verständig und wohl einsichtig oder nachsichtig istund heißt; denn die Billigkeit') ist in allen Handlungen, welche sichauf andere Menschen beziehen, gemeinsamer Vorzug. 3. Alle inden Bereich des Handelns fallende Dinge aber gehören in den Be-reich des Einzelnen und des Letzten. Denn zum Begriffe des prak-tisch Klugen gehört, daß er sie kenne, und Verständniß und Einsichthaben es mit den in den Bereich des Handelns fallenden Dingen zuthun, und diese sind wiederum ein Letztes. ä. Auch die Erkenntnißder Prinzipien (ö ist nach beiden Seiten hin auf das Letztebezogen; denn sowohl die allereinfachsten und ersten, als die aller-letzten und zusammengesetzten unserer Begriffe gehören unter denBegriffPrinzipienerkenntniß und nicht unter denBegriff" ().o/o§);die einen nämlich sind in den Demonstrationen die ersten Punkte,von denen man ausgeht, die in sich unveränderliche und erste find,und die andern sind in den praktischen Angelegenheiten die End-punkte, worauf alles hinzielt, zwar zufällig und so oder andersmöglich, aber insofern doch als Prinzipien anzusehen, als bei Hand-lungen der letzte Erfolg, insofern er Endzweck ist, zugleich den erstenGrund der Handlungen ausmacht. Denn das Einzelne ist es, wor-aus sich das Allgemeine ausbaut, von dem Einzelnen also muß man

*) Ergänze: welche durch die beiden letzter» Prädikate bezeichnet wird.Garve.