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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Neuntes Kapitel.

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(öo§a) ist die Wohlberathenheit offenbar in keinem Falle; vielmehr,da der, welcher sich schlecht beräth, fehlt, der dagegen, welcher reüs-sirt, sich richtig beräth-, so ist klar, daß die Wohlberathenheit eineArt von Richtigkeit ist, aber weder Richtigkeit einer Wissenschaft,noch einer Meinung; denn von der Wissenschaft kann manRichtigkeit" gar nicht prädiziren, weil bei ihr ja auchVerfehlen"nicht stattfindet, und die Richtigkeit einer Meinung heißt Wahr-heit, wozu noch der Umstand kommt, daß Alles dasjenige, wasden Bereich der Meinung bildet, immer schon fest bestimmt vorliegt.Es bleibt also nur übrig, daß sie5) dem reflektirenden Denkenangehört, denn dieses ist noch nicht feste Bejahung, während die Mei-nung nicht Untersuchung, sondern bereits eine Art fester Bejahung ist.Dagegen der, welcher sich beräth, mag er dies nun gut oder schlechtthun, der sucht und überlegt.

4. Die Wohlberathenheit ist also dies alles nicht, sondern sieist vielmehr so zu sagen eine Richtigkeit des Raths (des Entschlus-ses) ; darum müssen wir zuvörderst untersuchen: was ist der Ent-schluß und womit hat er es zu thun? Aber auch der Begriff Rich-tigkeit hat mehrere Bedeutungen, und wir sehen also, daß nicht jedeRichtigkeit" die hier gemeinte ist. Z. B. der Unmäßige und derSchlechte wird, was er sich vorsetzt, in Folge seines richtigenSchließers erreichen, und man wird also sagen können, er habesichrichtig" berathen, und doch wird er damit in großen Schadengerathen sein 6), während denn doch das Sich-wohl-berathen-habenfür etwas Gutes gilt. Denn nur dieNichtigkeit" des Raths(Entschlusses) ist Wohlberathenheit, welche im Stande ist, ein Gutesals Resultat zu verschaffen.

5. Allein es ist möglich, daß man auch ein solches Resultatdurch einen falschen Schluß erlangt, und daß man eS zufälligtrifft, das, was man soll, zu thun, aber nicht durch die richtigen

EL gibt keinerichtige" Wissenschaft, weil es eben auch keinefalsche"

gibt.

2) DieWohlberathenheit--. Vgl. Biese II, S- 28k.k) D. h. er wird also richtig berathschlagt und doch sich schlecht be-rathen haben. Garve.