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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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SechSreS Buch.

so z. B. ucnncn wir Phidias einen weisen Marmorbildner 0 undPolyklet einen weisen Statuenbildner, in welchen Fällen wir mitdem Worte Weisheit nichts anderes bezeichnen wollen, als daßsie vollendete Kunstfertigkeit?) ist.

2. Dagegen gibt es nach der allgemeinen Ansicht gewisse Per-sonen, welchen wir das Prädikat weise im Allgemeinen und Ganze»,nicht in Bezug aus ein besonderes Gebiet oder auf einen bestimmtenGegenstand, beilegen, in welcher letzteren Bedeutung es Homer inseinem Margites^) braucht, wenn er sagt:

Ihn nun milchten die Götter zum Pflüger nicht, auch nicht zum Gräber,

Nvch sonst weise zu etwas.

Somit ist offenbar, daß von allen Wissenschaften die Weisheitdie vollkommenste sein dürfte. 3. Mithin muß der Weise nichtnur Las wissen, was aus den Prinzipien folgt, sondern er muß auchin Betreff der Prinzipien im Besitz der Wahrheit sein. Man kannalso sagen: die Weisheit ist Vernunft und Wissenschaft zugleich, sicist als Wissen der würdigsten und erhabensten Dinge so zu sagenOberhaupt von allen Wissenschaften 5). Denn wer diesen höchstenRang der Politik oder der praktischen Klugheit zuschreibt, begehteine Ungereimtheit, weil dazu als Bedingung gehören würde, daßder Mensch im ganzen Weltall das höchste und beste Wesen sei 6).

>) Vgl. Brunn, Gesch. der griech. Künstler I, S. ISO,

2) Oder wie der Text sagt,Tugend der Künste",

3) Ei» komisches Gedicht, von dem nur noch vier Verse existiren, daszum Helden einen albernen Tropf statte, und sicher nicht von Homer herrührte,sondern einer später» Zeit angehörie, obschon auch Platon den Homer alsVersager nennt.

Aristot. schließt vom Besondern auf das Allgemeine. Wenn in jedereinzelnen Kunst u. s. w. der vollendete Künstler weise genannt wird, so istdie auf nichts Spezielles sich beziehende, sondern alles umfassendeWeisheit"die vollkommenste aller Wissenschaften. Vgl. Biese II, ZSS.

b)Oberhaupt",Haupt", weil sie die Prinzipien aller Wissenschaftenselbst in sich begreift. So nennt Gvethe'S MephistophelesVernunft undWissenschaft"des Menschen allerhöchste Kraft".

h Was Aristoteles leugnet. S, §. L ff. dieses Kapitels.