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Sechstes Buch.
keit 5) hat es an sich, daß sie das Prinzip verfälscht. — Die not-wendige Schlußfolgerung aus diesem Allem ist also die, daß dieKlugheit eine untrügerische Fertigkeit ist, nach richtigerVcrnunftansicht in Dingen, welche das Glück des Men-schen betreffen, zu handeln.
7. Allerdings in Bezug auf die Kunst gibt es eine vollendeteTüchtigkeit 6), in Bezug auf die Klugheit aber gibt es eine solchenicht?), und wer in der Kunst mit Vorsatz fehlt, steht höher als der,welcher unwillentlich fehlt; in der Klugheit dagegen steht der erstenniedriger, wie das auch bei allen andern Tugenden der Fall ist^).Somit iit cs offenbar, daß die Klugheit eine Tugend ist und nichteine Kunst. — 8. Da nun die an der Vernunft Theil habendeFähigkeit der Seele in zwei Theile zerfällt, so wird sie (die Klug-heit) die Tugend des einen dieser beiden sein, nämlich des überlegendreflektirenden, der es mit Ansichten und Meinungen zu thun hat.Denn Ansicht und Meinung haben es mit demjenigen zu thun, wasso oder anders sein kann, und ebenso die Klugheit. Auch ist in derThat die Definition: ,Klugheit ist Fertigkeit mit richtiger Einsicht",nicht vollständig. Beweis: eine solche Fertigkeit kann durch Ver-gessenheit schwinden, Klugheit aber kann es nicht ^). —
b) Die Berderbniß de« Charakter« durch den Einfluß von Lust oderUnlust.
b) O. h. eine „Tugend" in dem Sinne, in welchem die« Wort
de» vollendeten Zustand bedeutet, dessen irgend ein Ding fähig ist. Biese II,
S. rrs.
„Weil diese eben die vollendete Tüchtigkeit, die „Tugend" selbst ist".Biese a. a- O. An der Kunst unterscheidet man den Meister von demAnfänger; aber in Betreff der Klugheit gibt e« solche Unterschiede nicht.Garvc.
2- Ebenso Tenoph. lUemorali. IV, 2, 20; Seneca Kpiet. XV.d) Ein kluger Mann wird immer klüger, und zwar, wie Solon sagt, bi«in sein späteste« Greisenalter. Von der Kunst und Wissenschaft gilt aber nichtdasselbe. Der sojährige Tizian konnte nicht mehr malen, wie der vierzigjährige;der achtzigjährige Sloethe keinen „Faust" und keine „Wahlverwandtschaften"mehr dichten, obschon er „weise" <P(,o«et^oxz blieb bi« in sein späte« Alter.Vgl. Biese l, L»I.