Fünftes Kapitel.
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Es bleibt also nur übrig, daß sie eine untrügerische, mitvernünftiger Ueberlegung verbundene Fertigkeit ist in Dingen, welchesich auf das Wohl und Wehe des Menschen beziehen. Denn dashervorbringende Machen hat seinen Zweck außer sich, was bei demHandeln nicht der Fall ist; denn hier ist das Richtighandeln selbstZweck y.
5. Deßhalb halten wir denn auch einen Perikles und anderesolche Staatsmänner für praktisch kluge, weil sie die Fähigkeit be-sitzen, das, was für sie selbst und für die Menschen gut ist , mit rich-tigem Blick zu erfassen; Leute solcher Art sollen aber nach unsererAnsicht die Vorsteher eines Hauswesens oder eines Gemeinwesenssein. Daher kommt es auch, daß wir Griechen die maßvolle Beson-nenheit mit einem Worte (Sopliroszmv) benennen, welches andeutet^daß diese Tugend die Bewahrerin der praktischen Klugheit ist ^). —6. Sie bewahrt nämlich in uns die der praktischen Klugheit gemäßoAnsicht von Dingen der obigen Art ^); denn nicht alle und jedeAnsicht wird durch den Einfluß der Lust und der Unlust verderbtoder von der Wahrheit abgelenkt, — wie denn Lust oder Unlustz. B. keinen Einfluß auf unsere Ansicht haben, ob die Winkel desDreiecks gleich zweien rechten sind oder nicht sind — wohl aberunsere Ansichten über das, was wir thun sollen. Denn die Prin-zipien dessen, was wir zu thun haben, liegen in dem Zwecke unseresThuns; einem Menschen aber, der Lurch Lust oder Schmerz zerrüttetist, erscheint sofort das Prinzip nicht im richtigen Lichte, es erscheintihm nicht mehr als nothwendig, daß er dieses bestimmten Zweckeswegen oder aus diesem Grunde sein ganzes Wollen und Handelnaus diese bestimmte Weise einrichten müsse. Denn die Schlechtig--
2) S. Biese I, Z40.
3) Diese etymologisch- Bemerkung ist nur für den de« Griechische» kun-digen Leser ganz verständlich. Prakrisch klug ist griechisch kl, ronimo»,praktische Klugheit, d. h. Hinsicht in die wahren Zwecke de« Ledene heißt ansgriechisch klirünesi». In dem Worte Söplirvsxn« (— maßvolle Beson-nenheit) bedeutet nun die erste Sylbe (8ö) soviel a>«: erhaltend. Platon-im Kratylo« <§. 6ll. p. SS Heind.) hat dieselbe Etymologie.
b) Don dem Guten und Bösen.