Drittes Kapitel.
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6. Den Gegenstand des Vorsatzes bildet niemals etwas bereitsGeschehenes, wie denn z. B. Niemand sich vorsetzt, Ilion zerstörtzu haben. Auch beräth man ja nicht über das, was geschehen ist,sondern über das, was noch geschehen soll und kann, denn das Ge-schehene kann „nicht geschehen" sein; daher denn auch Agathon^)sehr richtig sagt:
Dies Sinz'ge ist sogar der Gottheit selbst versagt:
Ungeschehn zu machen, was einmal geschehen ist!
Das Werk nun, welches diese beiden Theile der Denkkraft zusammenHervorbringen, ist: die Wahrheit. Die Fertigkeiten also, zu Folgederen jeder dieser beiden Theile vorzugsweise zur Wahrheit gelangt,sind zugleich die Tugenden von beiden.
Drittes Kapitel.
lieber diese Fertigkeiten nun wollen wir jetzt weiter ausholend Kap.von Neuem sprechen. B°».
Sagen wir also: die Momente, durch welche die Seele zurWahrheit gelangt, durch Bejahen oder Verneinen, sind fünf an derZahl, nämlich Kunst, Wissenschaft, Klugheit, Wahrheit und spekula-tives Denken, — denn Meinung und Glaube können zur Täuschungführen')-
2. Was nun zunächst die Wissenschaft sei, wird, wenn wirgenau auf die Sache cingehen und uns nicht von den Ähnlichkeitenleiten lassen wollen 2), aus folgender Betrachtung erhellen. Wiralle sind nämlich der Ansicht, daß dasjenige, was wir wissen, sichnur so (wie wir es wissen) und nicht anders verhalten könne; —was dagegen sich auch anders verhalten kann, von dem ist, sobald es
6, lieber diesen Lieblingsdichter des Aristoteles sehe man meine Anmer«kung zur deutschen Uebersetzung der Aristotelischen Poetik Kap. IX, §. 7.S. ivo.
t) Darum rechnet Aristoteles beide nicht hierher.
2) Polemisch gegen Platon. S. Zell. Comment. p. 205 ff