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Aristoteles, Nikomachische Ethik.
freiwillig. Denn dies „will" niemand, auch nicht der Unmäßige,sondern erhandelt in solchen Fällen gegen sein vernünftiges Wollen.Denn kein Mensch „will" etwas, von dem er die Ansicht hat, essei nicht gut und ehrenhaft, und was den Unmäßigen betrifft, sohandelt er nicht so, wie man nach seiner Ansicht handeln muß?
7. Dagegen derjenige, der das Seinige in der Art hingibt,wie Home'r sagt, daß Glau'kos seine Rüstung dem Diome'des gab:
„Goldne für Erz und für neune den Wert von hundert der Stiere",
so erleidet er dadurch kein Unrecht. Denn das Geben stand bei ihm,das Unrecht leiden aber ist nicht etwas, das von uns abhängt, son-dern es muß einer da sein, der Unrecht thut. — 8. Und so ist esdenn klar, daß wir niemals freiwillig Unrecht leiden?
Nun haben wir von den Fragen, die wir uns vorlegten, nochBekk. zwei zu besprechen, erstens die Frage: ob bei einer Austeilung,welche dem Verdienste und der Würdigkeit zuwiderläuft, der Aus-teilende Unrecht thut, der einem anderen mehr zuteilt, als derselbeverdient, oder der, der das mehr, als er verdient, empfängt; undzweitens die Frage: Ist es möglich, sich selbst Unrecht zu thun?^— 9. Die Schwierigkeit ist hier nämlich die: wenn der zuerst ge-genannte Fall möglich ist, d. h. wenn der Austeilende Unrechtthut und nicht der das Zuviel Empfangende, so scheint darauszu folgen, daß, wenn jemand mit Wissen und Willen einem an-deren mehr gibt, als er sich selbst geben müßte, ein solcher sich selbstungerecht behandelt, wie das gerade die mäßigen und bescheidenenMenschen zu thun pflegen, — denn der wahre Biedermann stehtgern anderen nach.
Aber sollte man auch hier nicht vielmehr sagen müssen, daßauch dieZ b nicht so schlechtweg und absolut der Fall sei, sondern
6. Wer z. B. die Schwester eines Freundes aus Mangel an Selbst-beherrschung verführt, ist weit davon entfernt, sein Handeln als allgemeineRegel anfzustellen und zu meinen: ein anderer dürfe etwa auch seineeigene Schwester verführen.
7. Weil dazu eben immer zwei gehören.
8. Diese zweite Frage behandelt Aristoteles erst im letzten Kapiteldieses Buches.
S. Das „Sichzuwenigzuteilen" des braven Mannes.