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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
Entstehung
Seite
171
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Fünftes Buch. Fünftes Kapitel.

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findet keine Gegenleistung statt, und doch ist es die Gegenleistung,was die Menschen (im Staate) zusammenhält?

7. Darum stellt man denn auch das Heiligtum der Chari'ten(Huldgöttinnen) an den belebtesten Plätzen auf? wo es sich umGegenleistung handelt, denn dies ist das Eigentümliche derCha'ris" (des Danks), weil dem, der uns eine Gefälligkeit geleistethat, nicht nur mit Gegendienst zu vergelten, sondern auch unserer-seits ihm wieder zuerst gefällig zu sein unsere Pflicht gebietet.

8. Zu Stande gebracht wird diese gegenseitige Mitteilung,welche durch Verhältnis ausgeglichen wird, durch die gegenseitigeBeziehung aus einander, die wir uns durch die Figur eines Vier-ecks vorstellen mögen, dessen gegenüberstehende Winkel durch eineDiagonallinie verbunden werden:

Z. B. sei 7^. Baumeister, D Schuster, 0 Haus, O Schuh. Nun sollalso der Baumeister von dem Schuster dessen Arbeit erhalten, undihm dafür selbst wieder seine Arbeit liefern. Dies wird geschehenkönnen, wenn zuerst ein Verhältnis gefunden ist, nach welchem

5. Dasselbe sagt der zweite, angeblich Aristotelische Brief an KönigPhilipp von Makedonien. S. Ad. Stahr, Aristoteli'a, T. ll, S. 174 ;S. 205-206.

6. Aus Pausa'nias wissen wir, daß das Heiligtum der Göttinnender Huld und des Dankes, der Chariten (Lka'ris heißtHuld",Dank")in mehreren griechischen Städten, wie z. B. in Sparta, Orcho'menos undzn Oü/mpia auf dem Markte, also im Mittelpunkte des bürgerlichen Ver-kehrslebens, stand. Mit der Aristotelischen Auffassung der sittlichen Be-deutung dieser Göttinnen stimmt überein Chrysi'ppus, der um 280 v. Chr.geborene stoische Philosoph, in dem interessanten Kapitel über vie Bedeutungder drei Huldgöttinnen, das wir bei Se'neca (Von den Wohlthaten I, 3)lesen.