Fünftes Buch. Zweites Kapitel.
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8. Wir haben bereits den Unterschied gemacht zwischen demUngerechten, was ungesetzlich ist, und zwischen dem, was das Rechtder Gleichheit (Billigkeit) verletzt, und wir haben das Gerechte,welches das Gesetzlichbestimmte ist, geschieden von dem, welches inder Beobachtung der Gleichheit besteht. Die zuvor genannte Un-gerechtigkeit besteht also im Ungesetzlichen.
9. Da nun aber das Ungleiche und das unrechtmäßige Mehr-haben nicht einunddasselbe, sondern verschieden sind und sich ver-halten wie Teile zum Ganzen — denn das unrechtmäßige Mehr-haben ist immer und überall ungleich das Ungleiche aber ist nichtimmer und in allen Fällen ein unrechtmäßiges Mehrhaben —,so folgt, daß auch das (speziell) Ungerechte und die (allgemeine)Ungerechtigkeit nicht einsunddasselbe, sondern verschieden vonjenen sind, wie Teile von ihrem Ganzen. Denn diese (spezielle)Ungerechtigkeit ist ein Teil von der allgemeinen Ungerechtigkeit,und ebenso verhält sich auch die von uns gesuchte spezielle Gerech-tigkeit als Teil zur allgemeinen Gerechtigkeit. Wir haben also vonder speziellen Gerechtigkeit und von der speziellen Ungerech-tigkeit zu reden und ebenso von dem speziell Gerechten und speziellUngerechten? — 10. Wir lassen also diejenige Gerechtigkeit und'Ungerechtigkeit, welche sich auf den ganzen Umfang der Tugend be-ziehen und von denen jene eben nur die Bethätigung der Tugendim ganzen Umfange gegen einen andern, diese die Bethätigung derLasterhaftigkeit in ihrem ganzen Umfange gegen einen andern ist,beiseite liegen. Ebenso ist leicht zu ersehen, wie das Gerechte unddas Ungerechte in Bezug auf Gerechtigkeit und Ungerechtigkeit, indiesem Sinne gefaßt, bestimmt werden muß. So ziemlich der ganzeBereich nämlich der von den Gesetzen vorgeschriebenen Handlungensind Handlungen, welche von der Tugend in ihrem ganzen Um-fange gefaßt vorgeschrieben werden. Denn das Gesetz gebietet,
7. D. h. dem Gesetze der Gleichheit und Billigkeit zuwiderlaufend.
Trendelenburg liest statt nXiov.
8. Über die Konstruktion dieses ganzen echt Aristotelischen' Satzesmit seiner Anakoluthi'e von iirA — üare s. Schwegler, Exkurs zu Meta-physik IV, 2, S. 379 ff. Änderungsvorschläge macht Trendelenburg S.8.
* Der Laut, hinter dem daS Zeichen ' sieht, hat den Ton: Deutschland ü'ber a'lles.l8angtnschkidtschr'v.gr.u.röm.Äl.;Bd.L0;Lfrg.L9.) Aristoteles I. 11