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Aristoteles, Nikomachischs Ethik.
nötig, schamhaft zu sein, weil sie unter dem Einflüsse der Leiden-schaft stehend sich vielfach verfehle und also durch die Scham davonabgehalten werde. Und so loben wir es denn auch an jungenLeuten, wenn sie schamhaft sind, aber einen Mann in älteren Jahren >hat wohl noch kein Mensch mit dem Lobe zu ehren gemeint, daß erverschämt sei, denn von einem solchen meint man, es sei seine Pflicht,nichts zu thun, dessen einer sich zu schämen hat. — 4. Auch hat jader rechtschaffene Mann gar nichts mit solchem Schämen zu thun,da man sich ja nur über die schlechten Handlungen schämt, dieja gar nicht in den Bereich seines Handelns gehören.
5. Ob es sich um Dinge handelt, die in Wahrheit schämens-wert sind oder es nur nach der herrschenden Meinung sind, dasmacht hier keinen Unterschied, denn der rechtschaffene Mann sollweder die einen noch die andern thun, so daß er also nie sich zuschämen hat. — 6. Dagegen der Schlechte eben ist ein Mensch vonder Art, daß man sich von ihm das Ausüben von irgend etwasSchämenswertem zu versehen hat. Eine Seelenverfassung aber, zu-folge welcher ein Mensch, im Falle er so etwas thäte, sich schämenwürde und deshalb sich für einen rechtschaffenen Mann halten zudürfen glaubte, ist eine Ungereimtheit. Denn es sind freiwilligeHandlungen, auf welche sich die Scham bezieht, freiwillig aberwird der rechtschaffene Mann niemals das Schlechte thun.
7. Jedoch kann allerdings die Scham unter Voraussetzungetwas Gutes sein, nämlich wenn wir sagen: „jemand würde sichschämen, wenn er das und das thäte". Aber dies^ gilt nie vonden Tugenden. Wenn die Unverschämtheit und das sich Nicht-scheuen vor schlechten Handlungen etwas Schlechtes ist, so istdarum noch nicht gleich das Sichschämen, wenn man dergleichenthut, auch etwas Gutes. — 8. Auch die Enthaltsamkeit ist keineTugend, sondern eine Art von gemischter Affektion der Seele, dochüber sie werden in den späteren Vorträgen Fingerzeige gegebenwerdend Jetzt wollen wir von der Gerechtigkeit sprechen.
3. Dies, daß sie nur ox dypo'tllosi, unter Voraussetzung, gut waren.
4. Zm siebenten Buche.