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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Viertes Buch. Neuntes Kapitel.

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von selbst so verhalten, indem er sich selbst sozusagen Gesetz ist.Ein solcher ist nun also eben der, der das Mittelmaß auf demGebiete des Scherzes und Witzes beobachtet, gleichviel, ob eran-ständig" odergewandt" heiße. Bei dem Witzjäger dagegen istdas Lächerliche stärker als er, und um den Preis, Lachen zu er-regen, schont er weder sich selbst, noch die anderen, und sagt erDinge, dergleichen ein feiner Mann nie in den Mund nehmen, oftselbst nicht einmal anhören mag.

11. Der Plumpe und Rohe seinerseits ist für solchen gesel-ligen Verkehr überhaupt unbrauchbar, denn er gibt nichts dazuaus und nimmt an allem Anstoß. Und doch gelten die Erholungund der Scherz für ein notwendiges Ingrediens des Lebens.

12. Die genannten, im geselligen Leben sich bethätigendenTugenden sind also drei an der Zahl und haben es sämtlich zuthun mit dem gesellschaftlichen Verkehr mittelst gewisser Reden undHandlungen. Von einander unterschieden sind sie dadurch, daß dieeine es mit der Wahrheit, die beiden anderen mit dem Angenehmenzu thun haben. Von den letzteren bewegt sich die eine in dem Be-reiche des heiteren Verkehrs, die andere innerhalb der übrigenmenschlichen Umgangs- und Verkehrsverhältnisse.

Neuntes Kapitel.

1. Von der Scham dagegen kann nicht füglich als von einerTugend die Rede sein; denn sie gleicht vielmehr einem passivenSeelenzustande, als einem thätigcn Verhalten. 2. Definiertwird sie indes als eine gewisse Furcht vor schlechtem Rufe^ undkundgibt sie sich, ähnlich wie die Furcht, im Gebiete des Schreck-lichen; denn die, welche sich schämen, erröten, und die, welche sichin Todesgefahr fürchten, erblassen. Beide scheinen somit körper-lich zu sein, was mehr von einem aktiven Habitus gilt. 3. Dochpaßt sich dieser Seelenzustand nicht für jedes Alters sondern nurfür das jugendliche. Wir meinen nämlich, die Zugend habe es

1. Vgl. Rhetorik II, Kap. 6.

2. Vgl. Platon, Staat S. 465 o.