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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Aristoteles, Nikomachische Ethik.

5. Dem mittleren Habitus ist auch diejenige Eigenschafteigentümlich, welche Anständigkeit heißt. Der Anstandsvolle wirdnämlich nur solche Dinge sagen und anhören, die für einen wackernund freigebildeten Mann zu sagen und zu hören sich schickt. Dennallerdings gibt es auf dem Gebiete des Scherzes manches, was einsolcher gar wohl zu sagen und zu hören ansteht, und es ist einUnterschied zwischen dem Scherze eines edelfreien Mannes undeines Gesellen von gemeinem, sklavischem Charakter und wiederumzwischen dem Witz des Gebildeten und des Ungebildeten. 6. Daskann man unter anderem auch aus einer Vergleichung der altenund der neuen-Komödien erkennen. Bei jenen nämlich bestanddas Lächerliche in der Zotenreißerei, bei diesen in der verstecktenAnspielung, was beides im betreff der Anständigkeit und Schick-lichkeit einen großen Unterschied macht. ^

7. Nun fragt sich: wie sollen wir den, der auf die richtigeWeise spottet, definieren? Sollen wir fragen: der ist es, der denHörenden nicht verletzt oder ihn sogar erfreut? Oder sollen wirvielmehr sagen: gerade dies letztere ist ja eben unbestimmbar; denneinunddieselbe Sache, die dem einen widerwärtig ist, ist demanderen angenehm. 8 9. Ebenso wird es auch mit dem Ein-drücke sein, den einer beim Hören empfängt? Was nämlich eineranhören mag, das, meint man, möge er auch wohl thun. Alleindas hat doch seine Einschränkung; er wird sicher nicht alles (waser wohl einmal anhören mag) auch thun, denn der Spottwitz isteine Art Injurie, und gegen gewisse Injurien gibt es gesetzlicheBestimmungen? Eigentlich sollte es freilich auch solche gesetzlicheBestimmungen gegen das Spottwitzeln geben. 10. Da diesaber nicht wohl angeht, so wird der freie und gebildete Mann sich

3. Aristoteles hat entschieden mehr Vorliebe für dieanständige",dasSchicklichkeitsgefühl" nicht durch grobe Zoten verletzende neue Komödieder attischen Litteratur. S. Biese II, 697698.

4. Aristoteles will offenbar in diesem Paragraphen sagen: nicht dieRücksicht auf die Zuhörer, sondern die stete Rücksicht auf sich selbst, aufdas, was sich mit seiner Würde und Bildung verträgt, mache den feinen,gebildet scherzenden und witzigen Mann.

5. Vgl. unten V, Kap. I, § 14; Probleme XXIX.