Viertes Buch. Siebentes Kapitel.
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Lüge nicht sein Vergnügen haben, — aber in den Augen der Welterscheint er doch mehr als ein Narr, denn als ein schlechter Mensch.— 11. Thut er es aber aus einer bestimmten Absicht, so ist wiederein Unterschied, will er sich nämlich damit bloß Ansehen und Ehregeben, wie der eigentliche Prahler, so ist er nicht allzuhart zu be-urteilen; ist aber sein Zweck Geld oder Geldeswert, so ist die Un-anständigkeit schon größer. — 12. Übrigens aber liegt der Begriffdes Prahlers nicht in seinem Vermögen zu prahlen, sondern inseiner aus das Prahlen gerichteten Willensabsicht^, denn einPrahler ist ein Prahler, insofern das Prahlen seine ihn kennzeich-nende habituelle Eigenschaft ist, wie auch ein richtiger Lügner nurder ist, der an der Lüge an und für sich sein Vergnügen hat, wäh-rend wieder ein anderer aus Begierde nach Ruhm oder nach Vor-teil lügt. — 13. Was nun diejenigen betrifft, die da prahlen, umsich ein Ansehen bei den Leuten zu geben, so pflegen sie sich solcheDinge anzudichten, welche man lobt oder deren Besitzer man glück-lichpreist; die hingegen, die aus Gewinnsucht aufschneiden, dichtensichsolche Dinge an, von denen auch ihre Nebenmenschen Genuß habenund deren Nichtvorhandensein sich zugleich leicht kaschieren läßt, soeiner macht sich z. B. für einen gescheiten Wahrsager oder Arzt?Falsche Anmaßungen dieser und ähnlicher Geschicklichkeiten sinddie am meisten vorkommenden Prahlereien, weil bei ihnen geradedas, was ich gesagt habe, stattfindet?
14. Die Ironischen b hingegen, die in ihren Reden auf dasVerkleinern ihres Werts und ihrer Eigenschaften ausgehen, er-
3. Dasselbe sagt Aristo'teles von dem „Sophistischen". Rheto'rik I,Kap. 1.
4. Die Neigung zum quacksalbernden „Doktern" war im Altertumebenso groß, wie jetzt noch, und Aristoteles, der gründlich gebildete Arzt,hatte davon sicher Erfahrungen genug gemacht. Ebenso ist es mit der„Wahrsagerei", über die Aristoteles auch in der Rhetorik spottet (s. daselbstBuch III, Kap. 5, § 4 und dort die Anmerkung).
ö. Daß sie von anderen gesucht werden und daß sie nicht wohl beurteiltwerden können. Garve.
6. Die „umgekehrten Heuchler", wie sie Goethe nennt, die sich ge-ringer, unwissender, schlechter rc. machen und darstellen, als sie sind, odervielmehr ihre positiven Eigenschaften, ihr gründliches Wissen, ihre Macht,ihren Einfluß, Reichtum u. s. f. als gering darstellen.
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