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Aristoteles, Nikomachische Ethik.
Unbekannte, gegen Nahestehende und Fernstehende, nur daß erauch hier in jedem einzelnen Falle immer verfährt, wie es sichschickt, denn es paßt sich doch nicht für Nahestehende und Freunde,ganz gleiches Interesse zu hegen, und ebensowenig den einen undden anderen ohne Unterschied etwas Verletzendes anzuthun.
6. Im allgemeinen also gilt, wie gesagt, daß er mit den Men-schen verkehren wird, wie es sich gebührt; wenn es sich aber umdie Rücksicht auf das Schöne und Nützliche handelt, so wird seinAbsehen darauf gerichtet sein, möglichst keinen zu verletzen oder womöglich denen, mit denen er zu thun hat, etwas Angenehmes zubereiten. — 7. Denn die in den geselligen Beziehungen des Lebensvorkommenden angenehmen und unangenehmen Eindrücke sind dasFeld, auf welchem seine Tugend sich zeigt, und hier wird er aller-dings in allen den Fällen, wo das Beitragen zum Vergnügen an-derer ihm selbst nicht anständig oder gar nachteilig ist, das Rauheherauskehren und es vorziehen, den Menschen etwas Unangenehmeszu sagen oder zu thun. Und ebenso auch, wenn dem, der etwasUnangenehmes thut, dies Thun den Vorwurf der Unschicklichkeit,und zwar einen nicht kleinen, oder einen wirklichen Schaden zuWege bringt, während ein Widersetzen seinerseits jenem nur einegeringe Unannehmlichkeit verursacht, so wird er jenes Thun nichtgutheißen, sondern dagegen das Rauhe herauskehren.
8. Ferner wird er anders umgehen mit Personen von Bedeu-tung und Ansehen, als mit den ersten besten, mit näher Bekanntenanders, als mit Entfernteren, und so weiter nach den andern hier inFrage kommenden Unterschieden: er wird jedem geben, was ihm zu-kommt, wird an und für sich betrachtet immer lieber angenehmeEindrücke machen und sich scheuen, zu verletzen, jedoch mit der Ein-schränkung, daß er sein Verhalten nach den möglichen Folgen, wenndiese irgendwichtiger Art sind, reguliert, ich meine, nach dem, wasschön (ehrenhaft, sittlich) und was nützlich ist. Und so wird er dennauch selbst um eines einmaligen großen künftigen Vergnügens wil-len dem andern wohl einmal eine kleine Unannehmlichkeit anthun.
9. Solch' eine Art Mensch ist also der hier die Mittelstraßehaltende, einen Namen aber hat für ihn die Sprache nicht. Wasaber seine Gegensätze betrifft, so ist der überall anderen zu Gefallen