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Aristoteles, Nikomachische Ethik.
Fünftes Kapitel.
iKap. 1 Sanftmut ist das Wort für das Mittelmaß im BereicheBe», der Bethätigungen des Zorns; da aber für den hier die MitteHaltenden die'Sprache keine entsprechende Bezeichnung hat undfür die Extreme eigentlich auch nicht, so wenden wir den Ausdruck„Sanftmut" auf den an, der hier die Mitte hält, obschon jenerAusdruck sich zu dem Extrem des Mangels hinneigt*, für das inder Sprache der bezeichnende Ausdruck fehlt. — 2. Das Extremdes Übermaßes könnte als Zornmütigkeit bezeichnet werden,denn die Gemütsaffektion selbst ist und heißt Zorn; der Dingeaber, die ihn im Menschen Hervorbringen, gibt es sehr viele undverschiedenartige.
3. Wer sich nun erzürnt über Dinge, über welche er soll, undgegen Personen,E gegen^welche er soll, ferner wie und wann undwie lange er soll, der wird gelobt und den kann man also „sanft-mütig" nennen, insofern die Sanftmut für etwas Löbliches gilt.Der Sanftmütige geht nämlich darauf aus, sich nicht in Aufregungsetzen und nicht.von der Leidenschaft fortreißen zu lassen, sondernstets den Vorschriften der Vernunft in Bezug auf Anlaß und Dauerseines Zornes zu folgen. —- 4. Fehlt er, so geschieht es mehr nachder Seite des Zuwenig hin; denn der Sanftmütige ist nicht zumStrafen undMächen, sondern vielmehr zum Verzeihen geneigt.
5 — 6. Dagegen das Extrem des Zuwenigthuns im Zürnen,mag man es nun Zornlosigkeit oder sonstwie nennen, erfährtTadel. Denn Menschen, die nicht zürnen über Dinge, worüber mansich erzürnen muß, gelten für Tröpfe und ebenso die, welche nichtzürnen, wie, wann^und gegen wen es sich gehört. Denn von einemsolchen meint man, er bemerke das nicht und werde davon nichtschmerzlichlafftziert, und weil er nicht in Zorn gerät, sei er keinMensch, der Beleidigungen^ abzuwehren wisse, da es doch dasZeichen einer knechtischen Natur ist, Beschimpfungen hinzunehmenund seine Angehörigen von anderen ruhig mißhandeln zu lassen.
I. D. h. des Zuwenigthuns im Zürnen.