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1 (1891) Nikomachische Ethik (2. Aufl.), Eudemische Ethik
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Viertes Buch. Viertes Kapitel.

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Vorträgen gesagt habe? Es ist aber klar, daß, da der Ausdruckbegierig nach dem und dem"^ in der Sprache verschiedeneBedeutungen hat, wir auch den Ausdruckehrbegierig" nicht im-mer auf einunddasselbe Subjekt anwenden und also, wenn wirihn im lobenden Sinne gebrauchen, damit einen Menschen be-zeichnen, der mehr nach Ehre begehrt, als die große Masse derMenschen, dagegen im tadelnden Sinne damit ausdrücken, daßeiner mehr nach Ehre begehrt, als er sollte. Weil nun hier dasrichtige Mittelmaß in der Sprache keine Bezeichnung hat, so be-anspruchen, wie es scheint, die beiden Extreme diese gleichsam leereStelle. Allein überall, wo es ein Zuviel und ein Zuwenig gibt,muß auch das betreffende Mittelmaß vorhanden sein. 5. Nunsteht aber fest, daß die Menschen in ihrem Begehren nach Ehreebensogut über das, was sein soll, hinausgehen, als hinter dem-selben Zurückbleiben und manchmal auch wieder das rechte Maßbeobachten. Dieses letztere Verhalten nun wird gelobt, alsein Mittelmaß im Verhalten der Menschen zur Ehre, das inder Sprache keine Bezeichnung hat; es erscheint, gegen denEhrgeiz gehalten, als Ehrgeizlosigkeit, gegen die Ehrgeizlosigkeitgehalten, als Ehrgeiz, gegen beide zusammen gehalten, gewisser-maßen als beides? Das nämliche scheint auch bei den anderenTugenden der Fall zu sein, nur daß hier in unserem Falle dieExtreme einander entgegengesetzt zu sein scheinen, weil fürden, der die richtige Mitte hält, in der Sprache keine Bezeichnungvorhanden ist. ^

3. S. oben II, Kap. 7, § 89, wo er auf diese spätere Ausführungverwies.

4. Im Griechischen ist dies ein Wort (PiXoromü-rv?), welches Aristo-teles gebildet zu haben scheint.

8. D. h. beide Extreme können zuweilen den Schein der Tugend(des Mittelmaßes von beiden) annehmen. S. Biese II, S. 308309.

6. Wir sehen, daß Aristoteles im vorigen Kapitel die Extreme derKleingesinntheit" und derAufgeblasenheit" nicht im Gegensätze zu ein-ander, sondern zu ihrer Mitte, derGroßgesinntheit", betrachtete. Dieskann er hier nicht, weil die richtige Mitte hier keinen Namen in derSprache hat; daher erscheinen hier die Extreme einander direkter ent-gegengesetzt.